Sonntag, 28. November 2010

Nachtrag: Einhändiges Bedienen einer Pistole

Der Beitrag über das einhändige Bedienen einer Pistole, insbesondere beim Nachladen und der Störungsbeseitigung, warf zum Teil eine kontroverse Diskussion auf. Ich möchte mich für die Hinweise der Leser bedanken und das Thema hier nochmals aufgreifen.


Leitgedanke der Technik
Mit Eintrag vom 8. September 2010 ist in diesem Internettagebuch ein Beitrag zu >> Pistole (einhändig) veröffentlicht. Darin werden Techniken beschrieben, mit denen nach dem Ausfall einer Hand die Pistole dennoch in Feuerbereitschaft gehalten bzw. wieder in Feuerbereitschaft versetzt werden kann.
Die Darstellung vertritt dabei folgenden Leitgedanke: Es ist besser eine Technik zu beherrschen, die für die meisten aller Fälle anwendbar ist, als mehrere Techniken für verschiedene Sonderfälle einige Male geübt zu haben. Gesucht wird das Maximum für den allgemeinen Fall, nicht das Optimum für den speziellen Fall.

Bewegungsfreiheit vs. Baukastensystem
Konkret ging es bei den Leserzuschriften darum, sich die Pistole für Ladetätigkeiten zwischen die Knie zu klemmen. Mehrfach wurde die Frage aufgeworfen, ob man sich dadurch nicht selbst in seiner Bewegungsfreiheit einschränke. Die Antwort ist: „Ja, das tut man. Mit einer Pistole zwischen den Knien schränkt man seine Bewegungsmöglichkeit sogar sehr massiv ein.“, was ein Nachteil dieser Technik sein kann.
Jedoch überwiegen hier die Vorteile, die der Vereinheitlichungsgedanke mit sich bringt.

Wahrnehmungsfähigkeit und Schiefgehfaktor
Eine bewaffnete Konfrontation ist immer von Chaos und hoher Dynamik geprägt. Beträgt die Distanz zum Gegner nur einige Meter, die schnellen Schrittes innerhalb von weniger als zwei Sekunden überwunden werden können, wird sich niemand die Pistole zwischen die Knie klemmen, um sie nachzuladen. Jede andere Nachladetechnik ist in diesem Fall aber genau so wenig Erfolg versprechend. Besonders dann, wenn nur eine Hand zur Verfügung steht. In dieser Situation wäre es vermutlich das Beste, zu versuchen, die Pistole den Gegner an den Kopf zu werfen und somit seinen O.D.A.A.-Loop zu unterbrechen. Im folgenden Handgemenge hat man auch weiterhin nur eine Hand zur Verfügung. Machen wir uns nichts vor: In einer andauernden Konfrontation verwundet zu werden, mindert die Siegchancen drastisch.
Jedoch nicht alle Schießereien finden in extremer Nahdistanz statt. Manchmal ist es möglich Deckung zu nehmen oder es tritt eine Kampfpause ein. Dann ist es wichtig, Techniken zu beherrschen, seine Faustfeuerwaffe wieder in Feuerbereitschaft zu versetzen. Wenn es die Situation fordert auch einhändig.

Auch die Wahrnehmungsfähigkeit, die Motorik und der Intelligenzquotient werden in Hochstressphasen schwerwiegend herabgesetzt. Unter mehreren Techniken die einige Male geübt wurden, die richtige auszuwählen, beansprucht Gehirnkapazitäten, die nicht zur Verfügung stehen werden. Entscheidungsfindung unter Zwang hat immer einen hohen Schiefgehfaktor. Deshalb ist es besser, eine Technik verinnerlicht zu haben, deren Nachteile kalkulierbar sind, die aber im Gegenzug für alle Situationen praktikable Lösungsansätze bietet.





Für das einhändige Bedienen einer Pistole ist das Klemmen zwischen die Knie eine solche Technik. Sie funktioniert sowohl im Stehen als auch im Knien als auch in Rückenlage oder seitlich links / rechts liegend, wenn ein Mindestmaß an Deckung genutzt werden soll. Sie funktioniert mit der rechten Hand gleichermaßen wie mit links. Ebenfalls fügt sie sich in das Baukastensystem ein, wenn beispielsweise die Waffe mit links gezogen wird und umgegriffen werden muss. Dem Vereinheitlichungsgedanke wird hier Rechnung getragen. Die Technik ist weitestgehend universell einsetzbar, sie ist einfach zu erlernen und stressstabil.

Dienstag, 16. November 2010

Das richtige Holster

Die Wahl des richtigen Holsters ist für den praxisorientierten Gebrauch einer Kurzwaffe von großer Bedeutung. Ein gutes Holster muss aber nicht teuer sein. Welchen Anforderungen ein Holster genügen muss und was der Schütze bei Kauf und Benutzung beachten sollte, beschreibt dieser Artikel.


Für die Teilnahme an Schießkursen ist manchmal die Verwendung eines Holsters vorgeschrieben. Dem Teilnehmer soll eine praxisgerechte Waffenhandhabung vermittelt werden, wodurch das Ablegen der Waffe auf einen Schießtisch obsolet wird. Das Führen einer Kurzwaffe am Körper ist nicht nur für Soldaten, Polizisten und private Personenschützer von Bedeutung, sondern auch für Jäger, die ihre Fangschusswaffe im Revier bei sich haben wollen. Darüber hinaus gibt es beim BDS, BDMP, DSU und anderen Verbänden Schießsportdisziplinen, bei denen das Benutzen eines Holsters Pflicht ist.
Leider ist oft zu beobachten, dass beim Kauf eines Holsters weit weniger nachgedacht wurde als beim Kauf der Schusswaffe. Teilweise sieht man dem Ausrüstungsgegenstand auch an, dass ein Notkauf war, um beispielsweise den Mindestvoraussetzungen zur Teilnahme an einem Schießkurs zu genügen. Der Käufer wollte entweder so wenig Geld wie möglich ausgeben oder wurde falsch beraten. Das Holster ist entweder zu groß oder zu klein für die Waffe, sitzt nicht fest genug am Gürtel oder hat Verschlusssysteme, die in ihrer Bedienung zu kompliziert sind.
Ein gutes Holster muss nicht teuer sein. Der Schütze sollte jedoch drei wichtige Kriterien beachten.

Abzug
Der Abzug muss verdeckt sein, so lange sich die Waffe im Holster befindet. Anderenfalls besteht die Gefahr der Schussauslösung schon während des Ziehvorgangs. Es sind glücklicherweise nur noch sehr wenige Modelle im Umlauf, die dieser Anforderung nicht nachkommen. Aus dem Handel scheinen sie ganz verschwunden zu sein.

Formstabil
Das Holster sollte formstabil sein. Dadurch wird das Wegstecken der Waffe erheblich vereinfacht. Sind Holster nicht formstabil, führt das meist zwangsläufig zur Verletzung einer wichtigen Sicherheitsregel. Muss der Schütze das Holster mit der linken Hand quetschen, um die Waffe wegstecken zu können, überstreicht die Mündung der Waffe die Hand des Schützen. In manchen Schießsportdisziplinen führt dieses so genannte „Sweeping“ zur Disqualifikation.

Fester Sitz
Die Waffe muss fest im Holster sitzen und sollte auch bei einem kurzen Sprint nicht herausfallen. Bei Kydex-Holstern ist dieser Ziehwiderstand durch die Bauart gewährleistet. Das Holster greift mit einer kleinen Nase meist in den Abzugsbügel der Waffe und sorgt so für einen ausreichend festen Sitz. Andere Holster wiederum haben eine extra Sicherung, die betätigt werden muss, bevor die Waffe gezogen werden kann. Diese Systeme leisten einen erweiterten Schutz gegen Fremdzugriff. Sie sind jedoch übungsintensiver und verlangsamen aufgrund einer zusätzlichen Bewegung den Ziehvorgang um einige Zehntelsekunden.
Etwas in die Jahre gekommen sind Lederholster mit einem Riemen, welcher mittels Druckknopf verschlossen wird. Dieser Verschlussmechanismus ist oft so umständlich und zeitraubend, dass er früher oder später einfach nicht mehr benutzt wird. Das läuft jedoch konträr zu den Anforderungen, da Lederholster selbst nicht genug Ausziehwiderstand bieten und somit ein unbeabsichtigtes Herausfallen der Waffe die Folge sein kann.



Kydexholster von Uncle Mike's mit Paddle




Innenbundholster von Don Hume (No. 36) mit sehr gutem Tragekomfort




Beinholster Safariland 6004




Das RADAR 2-fast URSS



Positionen
Vor dem Kauf sollte man sich auch darüber im Klaren sein, an welcher Position das Holster getragen werden soll. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen einer verdeckten und offenen Trageweise. Die nach wie vor gebräuchlichste Variante ist das Tragen am Gürtel auf etwa „fünf“ Uhr, also im Bereich der Nieren. Einige Holster haben einen so genannten „Paddle“, welcher einfach in den Hosenbund gesteckt wird. Das Einfädeln des Gürtels in das Holster entfällt somit. Spezielle Holstertypen ermöglichen auch das Tragen der Waffe innerhalb des Hosenbundes.
Insbesondere für den taktischen Einsatz sind Beinholster entwickelt worden. Muss der Anwender am Oberkörper verschiedene Ausrüstungsgegenstände bei sich tragen, reicht der Platz am Gürtel meist nicht zur Aufnahme eines Gürtelholsters aus. Das Holster wandert demnach an den Oberschenkel, wodurch das Tragen aber auch das Ziehen der Kurzwaffe nicht weiter beeinträchtigt wird. Es sollte jedoch unbedingt darauf geachtet werden, dass die Waffe relativ hoch am Oberschenkel sitzt. Der Schütze muss in der Lage sein, die Waffe zu greifen ohne dabei seinen Oberkörper zu neigen.
Eine Europa noch recht wenig verbreitete Art die Waffe (verdeckt) zu führen, ist auf der „zwei“ Uhr Position. Auch als „appendix carry“ bekannt, erlangte diese Art vor allem in Nord- und Mittelamerika eine gewisse Popularität. Die Vorteile liegen in einer sehr kurzen Zugriffszeit auf die Waffe und der Möglichkeit, die Waffe auch noch während einer körperlichen Auseinandersetzung ziehen zu können. Der Nachteil ist, dass die Mündung fast immer in Richtung Beinschlagader zeigt.
Abzuraten ist vom Kauf eines Cross-Draw oder eines Schulterholster. Beim Cross-Draw, wo ein Rechtsschütze die Waffe auf der linken Seite trägt, ist ein sicherer Ziehvorgang fast ausgeschlossen. Die Mündung der Waffe kann dabei zu leicht beistehende Personen überstreichen. Gleiches gilt für das Schulterholster. Hinzu kommt bei dieser Variante noch der mangelhafte Tragekomfort.



Appendix Carry



Sicherungssysteme
Sicherungssysteme erschweren den Fremdzugriff auf die Waffe. Für Einsatzkräfte, die häufig in Menschenmengen operieren müssen, kann dieser Umstand zur Lebensversicherung werden. Manche Holstertypen verfügen sogar über mehr als eine Sicherung. In der Ausbildung sollte unbedingt realitätsnah trainiert werden. Das heißt alle Sicherungssysteme sollten immer benutzt, also geschlossen sein. Nur wenn man im Training permanent mit diesen Systemen übt, ist das reibungslose Ziehen der Waffe im Ernstfall gewährleistet. Das Ziehen der Waffe darf dabei nicht nur im Stehen geübt werden, sondern muss auch aus unkonventionellen Positionen heraus beherrscht werden. Beim Ziehen einer Pistole in Rückenlage ist der Griffwinkel unter Umständen etwas anders. Bei mechanischen Druckknopfsystemen kann es vorkommen, dass die Waffe manchmal nicht sofort freigegeben wird.



Das Serpa Holster




Fazit

Ein gutes Holster muss formstabil sein und die Waffe sicher halten können. Der Abzug muss verdeckt sein. Besitzt das Holster Sicherungssysteme, muss im Training permanent mit dieses Systemen gearbeitet werden, um eine Vertrautheit zu erzeugen. Einhändiges Bedienen mit der Nichtschusshand und das Ziehen der Waffe in unkonventionellen Positionen sollte ins Training integriert werden.

Montag, 8. November 2010

Schießunfälle und Sicherheitsregeln

Spätestens seit Jeff Cooper und den frühen Jahren der Gunsite Range existieren 4 elementare Sicherheitsregeln für den Umgang mit Schusswaffen, die unfallfreies Schießen bis zu einem sehr weit entfernten Zeitpunkt erlauben. Leider ist die Umsetzung dieser Sicherheitsregeln gerade im Behördenbereich meist indirekt proportional zur (Selbstwahrnehmung der) eigenen Professionalität.


Tom Givens, ein US-amerikanischer Schießausbilder und Inhaber der Schule „Rangemaster“ in Memphis, Tennessee ist schon sehr lange im Geschäft und mit seinem Ausbildungsprogramm vorwiegend auf den Privatwaffenbesitzer fokussiert. Aufgrund der hohen Kriminalitätsrate in seiner Heimatstadt reißt der Zustrom an Ttrainingswilligen auch nicht ab. Tom Givens bringt einen monatlich erscheinenden Newsletter heraus, der wertvolle Informationen zu Aspekten des Schießtrainings aber auch der mentalen Einstellung zu bewaffneten Konfrontationen bzw. deren Vermeidung enthält. In der November-Ausgabe widmet sich Tom Givens einigen Todesfällen im Zusammenhang mit behördlicher Schießausbildung. Wohlgemerkt Ausbildung(!) – keine Einsätze. Alle Todesfälle stammen aus dem Jahr 2010 und wurden einzig durch die Missachtung einer oder gar mehrerer Sicherheitsregeln verursacht.


(Quelle: Tom Givens, Rangemaster-Newsletter November 2010, Volume 14, Issue 11)


Link zum kompletten Newsletter:
http://www.rangemaster.com/newsletter/2010-11_RM-Newsletter.pdf


Die Sicherheitsregeln

1) Jede Waffe ist geladen. (Keine Zusätze. Keine Einschränkungen.)

2) Die Mündung überstreicht nur das, was ich auch beschießen will.

3) Der Finger berührt erst dann den Abzug, wenn ich die Entscheidung zum Schuss getroffen habe.

4) Ich kenne mein Ziel und achte auf das, was dahinter ist.





Jede Waffe ist geladen
Diese Sicherheitsregel steht nicht ohne Grund an erster Stelle. Sie ist die wichtigste überhaupt. Gern wird diese Regel umformuliert oder mit Zusätzen und Einschränkungen versehen. Beispielsweise wird sie gern abgewandelt zu: „Ich betrachte jede Waffe als geladen.“, was in gewisser Weise einer Einschränkung gleich kommt. Denn wenn ich eine Waffe lediglich als geladen „betrachte“, gehe ich unbewusst davon aus, dass sie nicht geladen ist. Der einfachste Weg eine Waffe als geladen zu betrachten, ist sie zu laden.
Es ist eine Erziehungsfrage, ob einem Waffenbesitzer von Anfang an beigebracht wird, dass jede Waffe geladen ist. Oder, dass der Normalzustand einer Waffe ungeladen ist und sie nur im „Ausnahmefall“ geladen wird.
Jährlich passieren hunderte von Schießunfällen mit ungeladenen Waffen. Jeder einzelne davon könnte vermieden werden, würde man Sicherheitsregel #1 befolgen.


Besondere Trainingsvarianten
Werden Force-on-Force Trainings durchgeführt, bei denen Angriffs- und Verteidigungssituationen in Partnerübungen simuliert werden, ist unbedingt sicherzustellen, dass sich keine realen Schusswaffen im Raum bzw. in Reichweite befinden. Jeder Teilnehmer dieses Trainings muss pünktlich zum Beginn und damit zur Belehrung anwesend sein.
Ein großes Sicherheitsrisiko stellen Übungsabläufe dar, bei denen bewusst reale Schusswaffen in Verbindung mit so genannter Simunition-Munition verwendet werden. Treffer durch diese Sim-Mun sind nur schmerzhaft aber nicht tödlich. Dennoch besteht jeder Zeit die Gefahr, dass aus Übereifer oder Unachtsamkeit eine scharfe Patrone geladen wird.
Die weitaus bessere Alternative stellt das 6-mm-BB-System dar.
>> http://feuerkampf-und-taktik.blogspot.com/2010/09/force-on-force-die-ausrustung.html


Fazit
Die 4 Sicherheitsregeln dürfen niemals missachtet werden. Sie dürfen auch nicht im Glaube an die eigene Professionalität teilweise außer Kraft gesetzt werden. Vor jeder Trainingssitzung oder auch jeder anderen Schießveranstaltung muss es ein Sicherheitsbriefing geben, in dem allen Teilnehmer die 4 Regeln in Erinnerung gerufen werden.