Sonntag, 25. Juli 2010

Wenn die Übung beendet ist…?

IPSC-Schießen ist eine anspruchsvolle Sportart mit einem hohen Spaßfaktor. Gebrauchswaffenträger sollten jedoch von einer Teilnahme Abstand nehmen. Als Trainingsmöglichkeit für den taktischen Schusswaffeneinsatz ist IPSC kontraproduktiv und daher völlig ungeeignet.


Der IPSC-Schütze hat den Parcours durchlaufen. Er beschießt aus seiner letzten Position heraus alle noch verbliebenen Ziele. Als er fertig ist, reißt er unverzüglich sein Magazin aus der Waffe, repetiert die Patrone aus dem Patronenlager, schlägt die Waffe mit einer lässigen Handbewegung ab und holstert sie in atemberaubender Geschwindigkeit. Diese Handlungsweise wird für den Teilnehmer in seiner kleinen Welt des Hochleistungssports ohne Konsequenz bleiben. Für einen Gebrauchswaffenträger hingegen kann solch eine Routine fatale Folgen haben.


Fehleranalyse
1.) In der realen Welt ist das Entladen der Waffe nach dem vermeintlichen Ende einer Konfrontation schlicht und ergreifend lebensgefährlich. Das Entladen der Waffe nach dem letzten Schuss ist eine Routine, die beim IPSC bis zum Automatismus geübt wird. Im Ernstfall fällt der Körper immer in Verhaltensweisen zurück, die er im Training zu beherrschen gelernt; also automatisiert hat. Ein Schütze, der regelmäßig an IPSC-Veranstaltungen teilnimmt, trainiert demnach ein Element, das konträr zu einer taktisch sinnvollen Verhaltensweise steht.

2.) Der Grund für das Entladen liegt im Reglement der IPSC. Man will ein Höchstmaß an Sicherheit erzeugen, indem alle Waffen „entladen“ sind, es sei denn der Wettkampfteilnehmer absolviert gerade seinen Parcours. Damit wird ein weiterer Irrtum ins Training implementiert: Dem Waffenträger wird anerzogen, dass es zu irgendeinem Zeitpunkt „entladene“ Waffen gibt und (noch schlimmer), ihm wird suggeriert, dass er diesen Zeitpunkt kennen würde.
Streng genommen wird hier eine Verletzung der Sicherheitsregel #1 begangen: „Alle Waffen sind geladen.“

3.) Das im IPSC oftmals sehr lässige Ausführen des Leerabschlagens ist eine unbewusste Handlung, die bei permanentem Gebrauch zu einer Fehlkonditionierung des Abzugsfingers führt. Ergibt sich wirklich eine Situation, die ein Leerabschlagen der Waffe erforderlich macht, sollte das Abkrümmen korrekt ausgeführt werden. Das heißt: Die Waffe wird in Anschlag gebracht, Visierbild und Haltepunkt werden hergestellt und erst dann wird der Abzug betätigt ohne das dabei das Visierbild gestört wird.
Jedes Abkrümmen sollte als eine in sich abgeschlossene Trainingseinheit für den Abzugsfinger verstanden werden.

4.) Für das schnelle Holstern einer Waffe gibt es keinen Grund. Im Ernstfall einer realen Konfrontation wird die Waffe erst dann geholstert, wenn die Gefahr beseitigt ist. Diese Bewegung erfolgt ohne Zeitlimit.


F.A.S.T.T.T.T.-Protokoll
Eine bewaffnete Konfrontation ist nicht mit dem vermeintlich letzten Schuss beendet. Im Grunde beginnt dann erst der wesentliche Teil. Der Verteidiger muss eine Bewertung seiner Treffer vornehmen, er muss sein Umfeld nach weiteren möglichen Angreifern absuchen. Anschließend lädt er seine Waffe nach. Gleichzeitig sucht er sich eine geeignete Deckung (sollte das nicht schon erfolgt sein), er untersucht sich selbst auf mögliche Verwundungen und kommuniziert mit eigenen Kräften, übergeordneten Stellen oder Unterstützungskräften.
Das F.A.S.T.T.T.T.-Protokoll (auch als Wyatt-Protokoll bekannt) ist eine Abkürzung, in der diese Handlungen zusammengefasst sind:

F – Fight
A – Assess ... (Muss ich noch einmal schießen?)
S – Scan ... (Muss ich noch jemanden beschießen?)
T – Top Off the Weapon ... (Nachladen)
T – Take Cover ... (Deckung suchen)
T – Treat Injuries ... (Bin ich selbst verwundet?)
T – Talk ... (Verbindungsaufnahme mit anderen Kräften)


Fazit
Das F.A.S.T.T.T.T.-Protokoll sollte nach Möglichkeit in jedes praxisorientierte Schießtraining integriert werden. In jedem Falle aber sollte sich der Schütze selbst dazu erziehen, seine Schießübung nicht mit dem letzten Schuss als beendet zu betrachten. Zumindest sollte eine Trefferauswertung, eine Umfeldbeobachtung sowie das taktische Nachladen durchgeführt werden.
Bei regelmäßiger Teilnahme an IPSC-Wettkämpfen besteht die Gefahr, genau diese Elemente zu vernachlässigen.

Freitag, 23. Juli 2010

Lehrmeinungen (3): Modern Isosceles

Der Modern Isosceles ist die derzeit bestimmende Lehrmeinung im praxisorientierten Schusswaffeneinsatz. Er stellt eine Evolution der Modern Technique dar. Mancherorts wird er jedoch als reiner Kurzwaffenanschlag missverstanden und fälschlicherweise ausschließlich mit IPSC in Verbindung gebracht.


In den späten 1970er Jahren wurde das Schießen nach den Regeln der IPSC (International Practical Shooting Confederation) immer populärer. Anfangs benutzten die Teilnehmer ausschließlich Waffen und Ausrüstung, die sie ohnehin zum Zweck der Selbstverteidigung mit sich trugen oder zu Haus hatten. Viele Schützen investierten viel Zeit und Munition in ihr Training und suchten ständig nach Wegen, die Ziele schneller und präziser zu treffen als andere Wettkampfteilnehmer. Zügige Positionswechsel und eine schnelle Zielerfassung wurden ebenfalls als kritische Elemente erkannt. Rasch offenbarten sich hier die Nachteile des Weaver Stance und seiner Varianten. Mit seiner verriegelten Körperhaltung bot er für die dynamische Umgebung eines IPSC Wettkampfes nur ungenügende Lösungsansätze.

Die Evolution
Die beiden US-amerikanischen Sportschützen Rob Leatham und Brian Enos leisteten viel Entwicklungsarbeit hin zu einer Körperhaltung, welche dynamischen Erfordernissen besser gerecht wurde. Mit der Versuch-Irrtum Methode probierten sie viele neuen Elemente aus. Sie veränderten die Handhaltung an der Pistole, ihre Körperhaltung und auch die Fußstellung. Dabei war ihr Ziel keineswegs eine neue Schießhaltung zu kreieren, sondern einzig und allein, Wettkämpfe zu gewinnen. Dennoch ähnelte das Endresultat der Isosceles Körperhaltung frappierend. Im Jahr 1983 errangen beide Schützen mit dieser Technik die Plätze 1 und 2 bei den IPSC US-Nationals. Der Abstand zum Drittplatzierten war enorm.

Seit Mitte der 1980er Jahre entwickelten IPSC Wettkämpfe jedoch ein Eigenleben. Ein Trend weg vom Verteidigungsschießtraining war erkennbar, hin zu einem rein sportlichen Ansatz. Das war Wasser auf die Mühlen der Isosceles Kritiker. Die behaupteten jetzt, der Modern Isosceles sei zwar perfekt geeignet für das sportliche Schießen, aber für bewaffnete Konfrontationen sei der Weaver Stance nach wie vor das Maß aller Dinge. Diese Meinung wurde von vielen verantwortlichen Schießausbildern bei Militär und Polizei unreflektiert übernommen. Was von Kritikern gern übersehen wurde ist die Tatsache, dass die Körperhaltung des Isosceles sehr ähnlich der Grundstellung bei Kampfsportarten ist und den besten Kompromiss zwischen Stabilität und Mobilität darstellt. Natürliche Körperreaktionen können so besser genutzt werden als beim Weaver. Der Isosceles wird dadurch für dynamische Szenarien vorteilhafter.





Körperhaltung

Beim Modern Isosceles steht der Schütze relativ frontal zum Ziel. Die Füße schulterbreit, der rechte Fuß etwas zurückgesetzt. Alle körpereigenen Indexpunkte wie Füße, Knie, Hüfte, Oberkörper und Arme zeigen zum Ziel und erleichtern somit die Zielerfassung.
Durch die symmetrische Armhaltung kann der Rückstoß besser vom gesamten Körper absorbiert werden. Die im Vergleich zum Weaver Stance geringere Muskelanspannung im Körper führt eher zu einer Schießhaltung, welche das Herstellen des natürlichen Zielpunkt begünstigt. Mit etwas Training wird die Waffe nach dem Schuss fast automatisch wieder auf dem Ziel liegen. Gleichzeitig erhöht sich die Erstschusstrefferwahrscheinlichkeit. Zur Technik des Modern Isosceles gehören aber neben dem Element Körperhaltung auch eine >> Grifftechnik, die möglichst viel Handfläche an die Kurzwaffe bringt und ein standardisierter Ziehvorgang in vier Phasen. Auch darf der Modern Isosceles nicht nur als reiner Kurzwaffenanschlag betrachtet werden. Es ist ebenso möglich, ihn beim Schießen mit einer Langwaffe zu nutzen.





Was vermieden werden sollte

Die Vorteile des Modern Isosceles werden ad absurdum geführt sobald der Schütze der Doktrin folgt, beide Füße auf eine Linie zu stellen. Diese Fußstellung bringt weder Vorteile in der Stabilität des Anschlags noch in der Mobilität. Dafür wird insbesondere beim Langwaffenanschlag ein enormes Maß an Spannung im Oberkörper erzeugt. Was eine Aufgabe des Natürlichen Zielpunktes mit sich bringt.

Ausbildungseinrichtungen
Der ehemalige FBI-Agent Bill Rogers war Ende der 1980er Jahre einer der ersten Ausbilder, der mit seiner „Rogers Shooting School“ im US-Bundesstaat Georgia die Lehrmeinung des Modern Isosceles auch an behördliche Waffenträger vermittelte. Trainer wie beispielsweise Andy Stanford und Craig Douglas entwickelten den Isosceles weiter. Besonderes Augenmerk galt dabei der Problemstellung von Konfrontationen, die sich im extremen Nahbereich ereignen. Hier ist die Einnahme einer lehrbuchmäßigen Körperhaltung zum Schießen meist nicht möglich. Der Verteidiger muss seine Waffe entweder ganz nah am Körper halten, um sie abfeuern zu können oder er muss von Nahkampftechniken gebrauch machen. Das Resultat dieser Überlegungen könnte als „Fighting Isosceles“ bezeichnet werden. Für beide Fälle hat der Weaver Stance „bladed“ bzw. die Modern Technique keine Lösungen parat.

Fazit
Die beiden Systeme Weaver Stance und Isosceles sind nicht miteinander vereinbar. Wer seine Schießfertigkeiten verbessern will, sollte sich vorher erkundigen, nach welcher Lehrmeinung die gewählte Schule ausbildet. Heute bildet die Mehrzahl aller Ausbildungseinrichtungen nach der Lehrmeinung des Modern Isosceles aus. Die Liste ist lang. Um nur einige zu nennen: Craig Douglas (Southnarc), Andy Stanford (OPS), James Yeager (Tactical Response), Paul Howe (CSAT), Gabe Suarez (Suarez International), Bill Rogers (Rogers Shooting School), Steve Moses (Bluff Dale Firearms Academy), Greg Hamilton (Insights Training Center), Larry Vickers (Vickers Tactical), Ken Good (Strategos International), Akademie 0/500. Auch in die behördliche Schießausbildung hat der Isosceles auf breiter Front Einzug gehalten.

Freitag, 16. Juli 2010

Lehrmeinungen (2): Modern Technique

Die Modern Technique ist neben dem Modern Isosceles und dem wenig brauchbaren Deutschießen eine weitere große Lehrmeinung im praxisorientierten Schusswaffeneinsatz. Sie ist untrennbar mit Jeff Cooper und dem Weaver Stance verbunden.

Seit Ende der 1950er Jahre veranstaltet der ehemalige U.S. Marinecorps Offizier John D. „Jeff“ Cooper im südlichen Kalifornien freie Pistolenwettkämpfe, die schon bald in der „South West Pistol League“ (SWPL) zusammengefasst werden sollten. Bei diesen Veranstaltungen wurde schnell offensichtlich, dass gezieltes Schießen mit der Kurzwaffe auf Augenhöhe der beste Lösungsansatz für die meisten Problemstellungen war. Jeff Cooper analysierte in den 1960er Jahren die Techniken der Gewinner der Wettkämpfe und leitete daraus die Grundsätze seiner „Modern Technique of Pistol“ ab. Sportlich organisiertes Schießen hatte demnach einen großen Einfluss auf die Evolution des Weaver Stance.

Modern Technique
Die durch Jeff Cooper entwickelte Schießtechnik ging als „Modern Technique“ in die Geschichte ein und wurde von Beginn an auf der „Gunsite Academy“ gelehrt. Cooper gründete diese Schule 1976 unter dem Name „American Pistol Institute“ (API) in Arizona. Die Modern Technique besteht aus fünf Elementen:

- Einer großkalibrigen Dienstpistole, wie sie bei Militär und Polizei im Einsatz ist
- Einem standardisierten Ziehvorgang der Pistole
- Einer Schussabgabe, sobald der erstbeste Haltepunkt hergestellt wurde
- Einer Abzugsmanipulation, bei der sich der Schütze vom Schuss überraschen lässt
- und dem Weaver Stance

Wobei der Weaver Stance, wie er von Cooper auf der Gunsite Ranch vermittelt wurde nicht vollends der Körperhaltung entsprach, wie sie der kalifornische Sheriff Jack Weaver originär erdachte. Cooper entwickelte eine Abwandlung, bei der die Füße annähernd auf gleicher Höhe stehen und der Oberkörper somit wesentlich mehr dem Ziel zugewandt ist. Dennoch ist diese Schießhaltung als Weaver Stance definiert. Ein Charakteristikum des Weaver ist der abgewinkelte Unterstützungsarm bei einem ausgestreckten und verriegelten Schussarm. Die gesamte Rückstoßenergie wird somit unmittelbar in den Schussarm übertragen. Ein weiteres Weaver Stance Merkmal ist das nach vorn Drücken der Schusshand bei gleichzeitigem Zurückziehen der Unterstützungshand. Der Anwender verspricht sich hierdurch eine bessere Kontrolle über den Hochschlag der Kurzwaffe.



Gunsite war die erste private Schießschule in den USA. Die Modern Technique und damit auch der Weaver Stance erlangten durch den großen Zulauf von trainingswilligen Schützen eine doktrinartige Verbreitung. Viele Gunsite Absolventen gründeten in den 1980er Jahren ihre eigenen Schulen und trugen somit ebenfalls zur Verbreitung der Modern Technique bei. Heute wird die Modern Technique nur noch bei wenigen Schulen gelehrt.

Weaver Stance bladed
Ebenso großen Einfluss auf die Schießausbildung für Militär, Polizei aber auch zivile Waffenträger hatte Chuck Taylor. Chuck Taylor erkannte während seiner Zeit als Unteroffizier im Vietnamkrieg den akuten Mangel an einer ganzheitlichen Schießausbildung in den US-amerikanischen Streitkräften. Im Jahr 1980 gründete er die ASAA (American Small Arms Academy). Auch er favorisiert die Lehrmeinung des Weaver Stance. Seine Körperhaltung kommt dem Ursprung sehr nahe. Der Schütze steht dabei deutlich eingedreht vom Ziel weg. Seine Fußspitzen, Hüften und der Oberkörper zeigen etwa nach zwei Uhr. Weshalb diese Variante auch als „bladed“ bezeichnet wird. Lediglich die Waffe und der Schussarm sind in Richtung Ziel positioniert. Auch hier ist das charakteristische Merkmal des Weaver Stance mit gebeugtem Unterstützungsarm anzutreffen. Der Ellenbogen zeigt senkrecht nach unten.



Von ihren Anhängern wird diese Körperhaltung gern als besonders stabil beschrieben. Sie hat jedoch eine Reihe von Nachteilen. Was sich als stabil anfühlt wird mit einem enormen Maß an Muskelspannung erreicht. Nahezu der gesamte Oberkörper steht unter Spannung. Durch das Drücken und Ziehen von Schuss- bzw. Unterstützungshand wird ebenfalls eine permanente Muskelspannung erzeugt. Beim Rückstoß bewegt sich die Waffe in dieselbe Richtung, in welche der Unterstützungsarm zieht. Der Schussarm muss zur Rückstoßbewältigung daher doppelte Kraft aufwenden. Diese Kraft kann einzig durch Muskelspannung erzeugt werden. Außerdem steht der Schütze asymmetrisch. Der Körper ist nicht in der Lage, den Rückstoß auf natürliche Weise zu absorbieren.

Ebenso gibt der Schütze seinen Natürlichen Zielpunkt auf. Und das ist entscheidend: Der Hochschlag der Waffe im Allgemeinen ist kein ausschlaggebender Faktor für schnelle, präzise Schussfolgen. Von Bedeutung ist viel mehr, wie schnell und vor allem reproduzierbar die Mündung nach Rückstoßverarbeitung wieder auf dem Ziel zum Liegen kommt. Das ist jedoch nur erreichbar durch eine Körperhaltung die automatisch im natürlichen Zielpunkt resultiert.

Ein weiterer Nachteil von Weaver Stance Körperhaltungen ist, dass es anatomisch kaum möglich ist, einen stabilen Waffengriff wie beim Isosceles herzustellen. Die Grifftechnik mündet immer in einem Kompromiss. Entweder in einer Körbchenhaltung der Pistole oder in anderen Varianten, welche als nicht akzeptabel verworfen werden sollten.



Dennoch gilt das Chuck Taylor System als erstes ganzheitliches Schießausbildungssystem weltweit. Der Weaver Stance wird dabei nicht nur als reiner Kurzwaffenanschlag betrachtet, sondern wird auch als Plattform für das Schießen mit Gewehr und Flinte verwendet. Die Lehrmeinung des Weaver Stance bladed ist zumindest für den taktischen Schusswaffengebrauch überholt und nur noch sehr wenige Schulen bilden sie aus.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Grifftechnik Pistole

Die Grifftechnik ist die unmittelbare Schnittstelle zwischen Mensch und Waffe. Sie hat erheblichen Einfluss auf die Präzision bei schnellen Schussserien. Die eigene Grifftechnik zu perfektionieren kann manchmal ein Prozess von mehreren Jahren sein.


Wer den beidhändigen Kurzwaffenanschlag erfunden hat, ist nicht eindeutig nachvollziehbar. Fest steht jedoch, dass viele Personen Einfluss auf seine Entwicklung hatten. Teilweise wurde versucht, mit wissenschaftlicher Akribie ein Optimum herbeizuführen.
Für den Aufbau einer stabilen Grifftechnik sind zwei Kriterien ausschlaggebend: Zum einen muss die Pistole so hoch wie möglich gefasst werden, um die bestmögliche Kontrolle über das Drehmoment der Waffe während der Schussabgabe zu erlangen. Zum anderen muss so viel Handfläche wie möglich an der Pistole anliegen, um den Rückstoß der Waffe besser verarbeiten zu können. Je mehr Handfläche, desto mehr Reibung, desto mehr Rückstoßkontrolle.

Aufbau des stabilen Waffengriffs
Der Griff muss fest sein, darf aber nicht verkrampfen. Empfehlenswert ist, die Waffe mit der rechten Hand so hoch zu fassen, wie es die Griffstückgestaltung erlaubt. Der Daumen der Rechten (also der Schusshand) darf dabei nicht an der Waffe liegen, sondern muss der linken Hand ausreichend Platz lassen, dass auch diese möglichst hoch an das Griffstück angelegt werden kann. Der linke Daumen zeigt dabei nach vorn und liegt am Rahmen an, um die Waffe zusätzlich zu stabilisieren. Die Finger der linken Hand sollten das Griffstück so umschließen, dass sie geöffnet in einem Winkel von ca. 45° nach unten zeigen würden. Im oberen Bereich des linken Handgelenks (die Verlängerung des Daumens) sollte sich dabei etwas Spannung aufbauen. Die Haltearbeit wird maßgeblich von der linken Hand erbracht. Die Rechte liegt relativ entspannt am Griffstück. Der Daumen der rechten Hand kommt ohne weitere Funktion auf der linken Hand zu liegen.






Ein Drücken mit dem rechten Arm nach vorn bei gleichzeitigem Zurückziehen der linken Hand, ist bei dieser Technik nicht erforderlich.


Auf was zu achten ist

Manchmal kommt es vor, dass der Daumenballen der Linken Kontakt zum Schlittenfanghebel bekommt und somit ein Arretieren des Schlittens bei leergeschossenem Magazin unterbindet.



Nach dem Beseitigen einer Störung oder dem Nachladen der Waffe sollte im Training unbedingt darauf geachtet werden, wieder die korrekte Grifftechnik herzustellen. Alle anderen Varianten, die zwar einen vermeintlichen Zeitgewinn bringen aber weit weniger stabil sind, sollten als nicht akzeptabel verworfen werden. Das gleiche gilt für das Ziehen der Waffe unter Zeitdruck.



Was ebenfalls kontraproduktiv wirkt, sind diverse Grifftechnik-Variationen. Beide Daumen nach oben stehen lassen, ist auf Schießständen oft zu beobachten. Besonders bei Schützen, die nach der Lehrmeinung der Modern Technique oder des Weaver Stance schießen. Einen Vorteil bringt diese Modifikation ebenso wenig, wie das Kreuzen der Daumen auf der linken Waffenseite.

Fazit
Selbst kleine Verbesserungen der Grifftechnik können für den Anwender große Auswirkungen haben. Die Perfektionierung der eigenen Technik kann daher manchmal ein Prozess sein, der mehrere Jahre dauert. Hierzu sollte auch auf die Hilfe eines kompetenten Ausbilders zurückgegriffen werden. Experten in Sachen Grifftechnik sind beispielsweise Paul Gomez oder Andy Stanford. Der stabile Waffengriff ist ein zentrales Ausbildungselement des zweitägigen Schießkurses Surgical Speed Shooting von Andy Stanford und des Kurs Pistole 1 von Akademie 0/500.

Pistole 1 mit Akademie 0/500

Mittwoch, 14. Juli 2010

Lehrmeinungen (1): Deutschießen

In den 1960er-Jahren erlangte eine Variante des Schießens an Bedeutung, welche im deutschsprachigen Raum als Deutschießen und instinktives Schießen sogar in waffenrechtliche Texte Einzug fand. International ist diese Art des Schießens auch als Point Shooting, Target Focused Shooting oder Reflexive Shooting bekannt geworden.


Die Idee des Deutschießens basiert auf der Annahme, der Schütze könne im Feuergefecht einen Zeitvorteil realisieren indem er bewusst auf die Verwendung seiner Visiereinrichtung verzichtet und sich ganz auf körpereigene Reaktionen verlässt. Die Schusswaffe wird lediglich in die Richtung des Ziels gedeutet, was dieser Art des Schießens auch den Name Deutschießen einbrachte. Deutschießen wurde und wird teilweise immer noch als Allheilmittel verstanden, wonach ein Maximum an Trainingserfolg mit einem Minimum an Trainingsaufwand herbeigeführt werden könne. Quasi Trefferergebnisse sich wie von Geisterhand verbessern könnten. Vergessen wird dabei, dass Schießen zwar keine komplexe Wissenschaft ist, aber dennoch auf einige techniklastige und koordinative Bewegungsabläufe baut. Wie beispielsweise das Abkrümmen bzw. die Abzugskontrolle.

Anspruch und Realität
So alt der Denkansatz zum Deutschießen auch ist, er wird bis heute kontrovers diskutiert. Diese Kontroverse begründet sich vor allem in der Auffassung, lediglich gedeutete also ungezielte Schüsse auf ein Ziel abzugeben. Und in der Tat wohnen der Technik des Deutschießens einige Kritikpunkte inne:

1.) Schießausbilder sind in der Regel Schützen mit sehr viel Erfahrung und einer hohen Schusszahl im Training. Für sie spielt die zeitliche Ressource nicht eine derart entscheidende Rolle wie für die Auszubildenden. Aufgrund des hohen Übungsniveaus und ihrer ausgeprägten Schießfertigkeiten treffen sie im Training ihre Ziele schneller und präziser. Diesen Umstand machen sich insbesondere Ausbilder beim Deutschießen zu Nutze, um den Lehrgangsteilnehmern die vermeintliche Vorteilhaftigkeit ihrer Schießtechnik zu beweisen.

2.) Beim Deutschießen wird meist auf Silhouettenscheiben geschossen, die von der Größe und den Umrissen her einem menschlichen Körper entsprechen. Die Schützen stehen im Training fast immer frontal und in kurzer Entfernung zu diesen Scheiben. Der Ausbilder erkennt nahezu jeden Schuss, der diese riesigen Scheiben trifft, als Treffer an. Auf präzise Schüsse wird selbst in Nahdistanz kein Wert gelegt.

3.) Eine Umsetzung von Grundfertigkeiten des Schießens erfolgt ebenfalls nicht. Lehrgangsteilnehmern im Deutschießen wird aller meistens nicht einmal vermittelt, dass es Grundfertigkeiten gibt. Insbesondere auf die Entwicklung einer guten Abzugskontrolle hat diese Ausbildungsmethodik fatale Auswirkungen. Die Teilnehmer eignen sich falsche Bewegungsabläufe beim Abkrümmen an und vertiefen diese Fehler durch immer weiter fortgesetztes falsches Üben. Von allen Grundfertigkeiten im Schießen ist Abzugskontrolle die, welche den größten Einfluss auf präzise Treffer hat. Die meisten Fehlschüsse gehen auf das Konto einer schlechten Abzugskontrolle.

4.) Um die Deuteigenschaften während der ungezielten Schussabgabe zu verbessern, raten Ausbilder dazu, den Abzug nicht mit dem Zeigefinger zu betätigen, sondern mit dem Mittelfinger der Schusshand. Der Zeigefinger solle während des Schießens am Schlitten anliegen und auf das Ziel deuten. Die Waffe wird nur mit zwei Fingern und dem Daumen gehalten. Ein sicheres Treffen bis 10m wäre so möglich.

5.) Der größte Irrglaube beim Deutschießen besteht allerdings darin, die Schüsse durch visuelle Trefferauswertung ins Ziel lenken zu wollen. Das heißt der Schütze fokussiert sein Ziel an und justiert seine Waffe von Schuss zu Schuss immer etwas mehr in den Bereich, den er letztlich zu treffen beabsichtigt. Bemerkenswert ist dabei, dass selbst beim Übungsschießen zu Beginn der Trainingssitzung die ersten abgegebenen Schüsse ihr Ziel kaum treffen. Erst wenn der Schütze nach kurzer Übungszeit sein Muskelgedächtnis entwickelt bzw. wieder gefunden hat und er seine Körperposition exakt zum Ziel ausrichten konnte, werden die Trefferergebnisse besser.

In der Praxis des taktikorientierten Schusswaffengebrauchs stößt dieser rein theoretische Denkansatz daher schnell an seine Grenzen. Kein Gebrauchswaffenträger, egal ob Soldat, Polizist oder freiberuflicher Personenschützer kann sich bei Beginn einer bewaffneten Konfrontation eine Phase des „Warmschießens“ leisten. Vielmehr sollte er eine Schießtechnik verinnerlicht haben, die ihm in der Ultima Ratio Situation einer bewaffneten Auseinandersetzung ein Höchstmaß an Sicherheit und Effizienz bietet und eine Umfeldgefährdung aufgrund von Fehlschüssen auf ein Minimum reduziert. Diese Schießtechnik kann nur der gezielte Schuss mit dem Fokussieren über das Korn der Waffe sein. Jede ungezielte Schussabgabe birgt ein nicht kalkulierbares Risiko in Bezug auf die Gefährdung Unbeteiligter.



Schussabgabe als Kreislauf
Entgegen der Meinung des Deutschießens sollte die Schussabgabe als Kreislauf verstanden werden. Dieser Kreislauf beginnt mit dem Zielvorgang und endet auch wieder mit dem Zielvorgang. Dazwischen liegen die Elemente Druckpunkt, Abkrümmen, Schuss, Rückstoßverarbeitung und das Nachzielen. Eine Schussabgabe ist erst dann beendet, wenn der Finger wieder am Druckpunkt liegt und die Visierung – in diesem Fall das Korn – wieder auf dem Ziel. Der Gebrauchswaffenträger ist somit auf einen eventuellen Folgeschuss vorbereitet, sollte die Lage diesen erforderlich machen. Der Kreislauf der Schussabgabe lässt sich nur durch konsequentes Üben beschleunigen. Nicht etwa durch Herauslassen bestimmter Elemente, wie es die Technik des Deutschießens versucht zu vermitteln.

Die historische Entwicklung des Deutschießens brachte kuriose und teils skurrile Tendenzen hervor. Verschiedene Körperhaltungen und Waffenhaltungen wurden kreiert und fanden auch Einzug in Lehrbücher. Das US-amerikanische FBI entwickelte seine eigenen Hüftschusstechniken. Andere Ausbilder griffen mexikanische Hüftschusstechniken auf. Der so genannte Combat Crouch wird sogar noch dieser Tage bei verschiedenen Ausbildungseinrichtungen gelehrt. Hierbei geht der Schütze zur Schussabgabe in die Hocke, während er gleichzeitig seine Waffe anhebt, ohne dabei jedoch seine Visierung zum Zielen zu nutzen.



Deutschießen heute
Aus vorgenannten Gründen gibt es international nur noch wenige Schulen, die Deutschießen ausbilden. Meistens verkaufen diese ihren Kursteilnehmern eine Mischung aus verschiedenen Techniken und versprechen dabei, mit einem Minimalaufwand an Training ein Maximum an Trainingserfolg erreichen zu können. Auch eine Pflege der erworbenen Fähigkeiten durch regelmäßiges Training mit der Schusswaffe würde dann überflüssig. Alles geschehe ausschließlich durch das Nutzen von körpereigenen Abwehrreaktionen in Stresssituationen. Die Marketingstrategie solcher Schießschulen folgt dem Grundsatz, sich ein Alleinstellungsmerkmal zu geben, indem man behauptet, man würde den Teilnehmern das Schießen schneller und mit weit weniger Aufwand beibringen als die Konkurrenz, weil man Grundmuster des menschlichen Verhaltens in Gefahrensituationen nutze. Gern wird hier genannt, dass sich jeder Mensch in einer Gefahrenlage automatisch zur Gefahr hin ausrichte, die Arme hochreißt und sich wegduckt.

Bei derartigen Versprechungen sollte der Endanwender eine gesunde Skepsis an den Tag legen und keinesfalls die Lehrmeinung unreflektiert übernehmen. Besonders dann nicht, wenn Combat Crouch und Hüftschusstechniken das Kursprogramm abrunden. Diese Schnellbesohlung im kampfmäßigen Schießen suggeriert dem Kursteilnehmer lediglich über Schießfertigkeiten zu verfügen, die er in Wahrheit gar nicht besitzen kann, weil ihm sowohl das technisch richtige Fundament fehlt als auch die regelmäßige Übung. Einmal trainieren und nie wieder üben müssen ist der Wunschtraum vieler Sportler. Er funktioniert beim Schießen aber genau so wenig, wie bei anderen techniklastigen Sportarten, wie beispielsweise der Leichtathletik.



Fazit
Deutschießen war in der Geschichte der Schießausbildung ein Irrweg. Der Schütze verliert an Flexibilität, da instinktives Schießen nur unter sehr engen Rahmenbedingungen erfolgreich angewandt werden könnte. Überschreitet die Entfernung zum Gegner zwei Armlängen oder steht das Ziel in einem anderen Winkel als es im Training geübt wurde, verliert die Deutschusstechnik außerordentlich stark an Effizienz und an praxisgerechter Anwendbarkeit.
Darüber hinaus erfolgt die Schussabgabe im schlimmsten Fall ohne vorherige Beurteilung der Lage, was wiederum juristische Konsequenzen haben kann. Eine Frage, die selbst Befürworter des Deutschießens nicht beantworten können ist: Weshalb haben Waffen eine Visierung, wenn instinktives Schießen funktionieren würde?

Dienstag, 13. Juli 2010

CSAT Tactical Rifle Instructor

Der ehemalige Delta Force Angehörige Paul Howe bietet mit seiner Schießschule in Texas hochkarätige Kurse für Behörden aber auch Zivilisten an. Mit seinem sechstägigen Rifle Instructor Kurs setzt er schon seit einigen Jahren in der Branche den Maßstab.


Mogadischu (Somalia), 3.Oktober 1993: Seit mehreren Stunden sind amerikanische Einheiten in diesem Moloch der afrikanischen Ostküste im heftigen Orts- und Häuserkampf gebunden. Die geplante Festnahme des somalischen Klanchefs Aidid und seiner Berater sollte sich zu einem folgenschweren militärischen Fehlschlag entwickeln. Die Ranger des 75th Ranger Regiment haben Tode und Verwundete, sind vom Nachschub abgeschnitten und eine Kommunikation unter den teils versprengten Truppenteilen ist fast unmöglich. Nach dem Absturz zweier Black Hawk Hubschrauber über dem Zentrum von Mogadischu bahnt sich für die amerikanischen Streitkräfte ein Desaster an. Mehrere Rettungsteams werden in die Stadt geflogen, darunter auch Angehörige der Spezialeinheit „Delta Force“ mit einem Master Sergeant namens Paul Howe.
Am Ende des über zwölfstündigen Feuergefechts haben die US-amerikanischen Streitkräfte 18 gefallene Soldaten zu beklagen und über 84 Verwundete. Die Verluste der Gegenseite können nur geschätzt werden, dürften aber bei etwa 1.000 Somalis liegen.

Paul Howe
Paul Howe diente 20 Jahre lang in den amerikanischen Streitkräften. Als Angehöriger der „Delta Force“ nahm er an unzähligen Spezialoperationen teil. Nach seiner Entlassung aus dem aktiven Dienst gründete er die Schieß- und Taktikschule CSAT (Combat Shooting and Tactics) mit Sitz im texanischen Nacogdoches. Nacogdoches ist eine etwas verschlafen wirkende Kleinstadt und nimmt für sich in Anspruch, die älteste Stadt in Texas zu sein.
Neben dem Rifle Instructor Kurs bietet Paul Howe noch weitere Lehrgänge an. Die Bandbreite reicht von Schießlehrgängen für Pistole und Gewehr über Instruktorenlehrgänge bis hin zu Speziallehrgängen für Geiselbefreiungen für SWAT Teams einschließlich der Schulungen für eventuell notwendige Zugangssprengungen.



Trainingsphilosophie
Der sechstägige „Tactical Rifle Instructor“ Kurs hebt sich aufgrund mehrerer Besonderheiten von anderen Langwaffenkursen der US-amerikanischen Ausbildungsszene ab. Während die meisten anderen Schulen ihren Fokus auf hohen Munitionsverbrauch und die statistisch erwiesenen Kurzdistanzen eines Feuergefechts richten, bildet Paul Howe die Distanzen zwischen 7 und 200 m aus. Seine Trainingsphilosophie ist der präzise Schuss. Er vermittelt seinen Schülern den so genannten „shooting plan“. Mit diesem System lernen die Teilnehmer, in jeder Schießposition eine wiederholgenaue Körperhaltung herzustellen. Howe lehrt konsequent das Prinzip des Natürlichen Zielpunktes (engl. natural point of aim). Der Schütze baut zuerst mittels der Referenzpunkte zwischen Mensch und Waffe seine stabile Schießplattform auf und richtet diese im Anschluss komplett zum Ziel aus. Was sich kompliziert anhört, führt schon nach kurzer Übungszeit zu einer spürbaren Verbesserung der Schießergebnisse. Der eigene Körper wird somit das wichtigste Instrument beim Schießen.
Howe legt darüber hinaus gesteigerten Wert auf die persönliche Betreuung jedes einzelnen Teilnehmers und limitiert die Klassenstärke für seine Instructor Kurse auf zwölf Personen. Des Weiteren ist er ein starker Verfechter der Maxime, daß Trockentraining mindestens Zweidrittel aller Waffenausbildung ausmachen sollte und lediglich ein Drittel dem scharfen Schuss gehören sollte.
Er lehrt seinen Schülern auch, mit einfacher Ausrüstung zu Recht zu kommen. Die Verwendung von optischen Zielhilfen, wie Leuchtpunktvisier oder Zielfernrohr ist im Kurs zwar nicht verboten, dennoch macht Paul Howe darauf aufmerksam, dass man zu erst die offene Visierung seiner Waffe beherrschen sollte, bevor man zu Zielhilfen greift.



Lehrgangsinhalte
Der Lehrgang strukturiert sich in vier Tage Ausbildermodul und zwei Tage Teilnehmermodul. Während der zwei Tage Teilnehmermodul unterstützen die frisch qualifizierten Ausbilder Paul Howe bei der Durchführung eines Zweitageskurses mit etwa 20 Teilnehmern.
In den ersten vier Tagen erfolgt eine sehr intensive Ausbildung in der Kleingruppe. Die angehenden Instruktoren schießen alle Grundübungen, erhalten eine Schulung zu Reinigung und Instandhaltung des Waffensystems „Selbstladegewehr“ und lernen einen Schießstand so zu organisieren, daß ein reibungsloser Ablauf während einer mehrtägigen Ausbildungsveranstaltung gewährleistet bleibt. Zum Bestehen des Ausbildermoduls haben die Instruktoren sowohl eine praktische als auch theoretische Prüfung zu bestehen.
Die praktische Prüfung besteht aus dem Schießen der zehn Grundübungen. Diese so genannten „Standards“ werden – und das ist ebenfalls eine Besonderheit im Kurs von Paul Howe – ausnahmslos auf Zeit geschossen. Das Zeitlimit pro Übung ist sehr eng. Und selbst erfahrene Schützen sehen sich durch die Messgröße „Zeit“ unter Druck gesetzt. Zum Bestehen müssen mindestens acht der zehn Übungen erfolgreich absolviert werden. Ausgangsposition ist bei allen Übungen Stehend mit der Waffe in Low-Ready Haltung. Als Zielmedium dient eine modifizierte IPSC-Scheibe mit einer inneren Trefferzone von etwa 15 mal 47 cm.



Die zehn Standards:
5 Schuss aus 100 Meter liegend, in weniger als 20 Sekunden
5 Schuss aus 75 Metern kniend, in weniger als 20 Sekunden
5 Schuss aus 50 Metern kniend, in weniger als 20 Sekunden
5 Schuss aus 25 Metern stehend aus der Low-Ready Position heraus, in weniger als 8 Sekunden
Von der 7 Meter Linie, jeweils aus der Low-Ready Position heraus:
1 Schuss, in weniger als 1 Sekunde
2 Schuss, in weniger als 1,5 Sekunden
5 Schuss zum Körper, 1 Schuß zum Kopf, in weniger als 3 Sekunden (Failure Drill)
2 Schuss jeweils auf 2 Scheiben, in weniger als 2,25 Sekunden (Target Transition)
1 Schuss mit Gewehr, 1 Schuß mit Pistole, in weniger als 3 Sekunden (Weapon Transition)
5 Schuss aus 200 Meter liegend, in weniger als 30 Sekunden



Fazit
Paul Howe legt mit seinen Instructor Kursen die Messlatte sehr hoch. Die gestellten Anforderungen sind selbst von erfahrenen Schützen nicht leicht zu erfüllen. Der Kurs macht aber aus jedem Teilnehmer einen besseren Schützen.
Aufgrund der aktuellen ITAR-Bestimmungen zum Export von Gütern und Dienstleistungen bildet Paul Howe derzeit ausschließlich US-Bürger aus.

http://www.combatshootingandtactics.com/

Der Gewehrkurs der Akademie 0/500 basiert zu großen Teilen auf den Lehrinhalten des CSAT Tactical Rifle Instructor Kurses.

http://www.0-500.org/sl_buechse.html

Montag, 12. Juli 2010

Vollkommenheit vs. Purismus

"Vollkommenheit entsteht nicht dann, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern, wenn man nichts mehr wegnehmen kann.“ In diesem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry steckt sehr viel Wahrheit. Leider wird zu oft versucht, mangelnde Grundfertigkeiten im Schießen durch immer mehr Waffenanbauteile auszugleichen.


Im Sportschießen kann Waffentuning und der Anbau verschiedener Zusatzteile sinnvoll sein, da der Sportschütze in der Regel genau weiß, in welcher Wettkampfdisziplin er starten möchte. Er kennt das Reglement des Verbandes und besitzt daher die Möglichkeit, das Leistungspotential seiner Waffe auszureizen. Er kennt den Ablauf der Übung, er weiß wann diese beendet sein wird, kennt unter Umständen schon vorher die genaue Menge und Sorte an Munition, die er benötigt und weiß, unter welchen Rahmen- und Umweltbedingungen er den Wettkampf absolvieren muss.
Taktische Erfordernisse bieten jedoch nie dieses Maß an Planbarkeit. Der Schütze hat mit dem zu Recht zu kommen, was er in der Hand hat. Deshalb sollte das universell einsetzbar sein. Jede Spezifikation kann diese Universalität einschränken und zum Nachteil ausarten. In der Taktiklehre sollte nie nach dem theoretischen Optimum für eine bestimmte Situation gesucht werden, sondern nach einem praktikablen Maximum für den allgemeinen Fall.
Technisch umsetzbar wäre eine Vielzahl von Eingriffen in das serienmäßige Waffensystem. Häufig diskutiert werden in diesem Zusammenhang der Austausch von Bedienelementen und Visierung, eine Reduzierung des Abzugsgewichts, der Anbau von Zweibein, Vordergriff sowie einer Weißlichtquelle und eines Lasermoduls. Aber nicht alles, was technisch machbar wäre, ist auch taktisch vorteilhaft.


Bedienelemente

Durch den Wechsel zu größeren Bedienelementen verspricht sich der Nutzer eine bessere Erreichbarkeit und somit eine schnellere Bedienung. Fraglich ist allerdings, ob durch den meist nur minimal vorhandenen Zeitgewinn wirklich eine Steigerung des Gefechtswertes einer Waffe erreicht werden kann. Dieser geringe und selten gebrauchte Vorteil wird mit dem Nachteil erkauft, dass größere Bedienteile öfters unbeabsichtigt ausgelöst werden können oder einen zügigen Ziehvorgang durch Hängenbleiben an Holster oder Kleidung einschränken können. Im Langwaffenbereich steht beispielsweise für das AR-15 System ein vergrößerter Spannschieber (so genannter Tactical Latch) zur Verfügung, der das Durchladen merklich erleichtert. Hängt die Waffe aber im Tragegurt am Körper, kommt es erfahrungsgemäß regelmäßig vor, dass sich der Tactical Latch in der Ausrüstung verfängt und ein unabsichtliches Entriegeln des Verschlusses verursacht.



Abzugsgewicht
Eine Reduzierung des Abzugsgewichts kann für den vorgesehenen Einsatzzweck sogar kontraproduktiv sein. Die Verringerung des Abzugswiderstandes auf das Maß einer Sportwaffe ist vor dem Hintergrund der nicht mehr vorhandenen Feinmotorik während bewaffneter Konfrontationen sogar gefährlich. Unbeabsichtigte Schussabgaben können die Folge sein. Abzüge an Gebrauchswaffen sollten nie leichter auslösen als 2,5 Kilogramm. Der Pistolenhersteller Glock bietet sogar eine Variante mit wesentlich höherem Abzugswiderstand an. Der so genannte New York Trigger wurde speziell für Polizisten in den USA hergestellt, um den Wechsel von Revolver zur Selbstladepistole einfacher zu gestalten. Das Abzugsgewicht liegt hier bei etwa 4,5 Kilogramm und die Abzugscharakteristik ähnelt der eines Revolvers.

Visierung
Neben den Bedienelementen wird auch öfters die Forderung nach Austausch der Visierung erhoben. Auch hierbei sollten Lösungsvorschläge aus dem Schießsport nicht unreflektiert übernommen werden. Sportpistolen haben mitunter Visiereinrichtungen mit feinsten Verstellmöglichkeiten, um entsprechende Schießergebnisse zu erzielen. Da Präzision keine Primärforderung für Gebrauchswaffen darstellt, sind die werksmäßig angebrachten Visierungen meist ausreichend. Der Nachteil den verstellbare Mikrometervisiere aus dem Sportbereich mit sich bringen, liegt in deren komplizierten Aufbau. Meist bestehen sie aus mehreren Bauteilen mit kleinen Schrauben und Federn, die sehr schlag- und stoßempfindlich sind. Ein Totalausfall des Visiers ist somit wahrscheinlicher als bei einer einfachen Kimme der robusten Bauart.

Ein Wechsel der Visiereinrichtung kann aber dennoch sinnvoll sein. Einen sehr guten Lösungsansatz stellen so genannte XS-Sights dar. Bei diesem Visier ist das Korn sehr markant ausgeprägt und zusätzlich noch mit einem Tritium Einsatz versehen. Diese Bauweise erleichtert dem Schützen zum einen, sich beim Schießen ganz auf das Korn zu konzentrieren zum anderen ist durch die Verwendung von Tritium ein Schießen bei schlechten Sichtverhältnissen besser machbar. XS-Sights sind für alle Waffentypen universell lieferbar. Für Pistolen genau so wie für Flinten oder die Selbstladegewehre AR-15 und Kalaschnikow. Dem Anwender wird damit außerdem noch eine Möglichkeit der Standardisierung all seiner Visiereinrichtungen gegeben. Beim Zielvorgang fokussiert er das Ziel nur noch über eine Kornform an, egal welche Waffenart er verwendet. Diese Vereinfachung durch Standardisierung sollte im Gesamtsystem des taktischen Schusswaffengebrauchs nicht unterschätzt werden.



Ein Leuchtpunktzielgerät kann die Gefechtseigenschaften eines Gewehrs in bestimmten Grenzsituationen steigern. Aber es macht aus einem Schützen keinen besseren Schützen.
Optische Zielhilfen sind kein Allheilmittel gegen mangelnde Grundfertigkeiten, die eine rudimentäre Schießausbildung nicht oder nur ungenügend vermitteln konnte. Viele Gewehrschützen unterschätzen ihre natürlichen Fähigkeiten, einen präzisen Treffer über eine Entfernung von 600 Metern nur mit einer offenen Visierung anbringen zu können. Sie überschätzen gleichzeitig den Vorteil von Leuchtpunktzielgeräten im Nahdistanzbereich.

Nur weil man eine Gitarre besitzt, heißt das nicht zwangsläufig, dass man auch Gitarrespielen kann. Nur weil man die tatsächliche Gewalt über eine Schusswaffe ausübt, bedeutet das nicht gezwungenermaßen, dass man diese auch beherrscht. Leider erliegen nicht nur zu viele private Waffenbesitzer nach wie vor diesem Irrglauben, sondern auch behördliche Waffenträger bei Militär und Polizei.