Freitag, 31. Dezember 2010

Oath Keepers - „Not on our watch!“

In Zeiten, in denen sich Regierung immer weiter vom Bürger entfernen und das Ringen um den eigenen Machterhalt das Tagesgeschäft bestimmt, wird es zunehmend wichtig, dass die Bürger ihren Herrschenden auf die Finger gucken. In dieser Rolle sehen sich die Oath Keeper in den USA.


Die Oath Keeper sind eine Organisation, die im April 2009 von Stewart Rhodes, einem ehemaligen Fallschirmjäger der US-Streitkräfte, gegründet wurde. Eine Vollmitgliedschaft kann jeder aktive oder pensionierte Soldat, Feuerwehrmann oder Polizist erlangen. Das Motto der Oath Keeper ist: „Not on our watch!“





Die Bezeichnung hat nichts mit Haferflocken zu tun. Das Wort „Oath“ unterscheidet sich durch ein zusätzliches „h“ und bezeichnet den Eid. Eine sinngemäße Übersetzung für Oath Keeper könnte sein: „Die zu ihrem Eid stehen“.
Die Oath Keeper besinnen sich vor allem darauf, dass sie einen Eid auf die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika geleistet haben und nicht auf irgendeinen Politiker oder eine Partei. Für sie ist dieser Eid bindend und erlangt besondere Bedeutung, wenn die Institutionen der Legislative, Exekutive oder Judikative versuchen, in der Verfassung garantierte Rechte zu umgehen oder gar auszuhebeln.




Die Oath Keeper haben sich ein 10-Punkte-Programm gegeben. Diese 10 Punkte bestehen aus Anweisungen oder Befehlen, welche die Mitglieder der Oath Keeper keines Falls befolgen werden, weil diese aus Sichtweise der Organisation verfassungswidrig sind:

1. We will NOT obey orders to disarm the American people.

2. We will NOT obey orders to conduct warrantless searches of the American people

3. We will NOT obey orders to detain American citizens as “unlawful enemy combatants” or to subject them to military tribunal.

4. We will NOT obey orders to impose martial law or a “state of emergency” on a state.

5. We will NOT obey orders to invade and subjugate any state that asserts its sovereignty.

6. We will NOT obey any order to blockade American cities, thus turning them into giant concentration camps.

7. We will NOT obey any order to force American citizens into any form of detention camps under any pretext.

8. We will NOT obey orders to assist or support the use of any foreign troops on U.S. soil against the American people to “keep the peace” or to “maintain control."

9. We will NOT obey any orders to confiscate the property of the American people, including food and other essential supplies.

10.We will NOT obey any orders which infringe on the right of the people to free speech, to peaceably assemble, and to petition their government for a redress of grievances.


Die 10 Punkte auf Video:





Besonderes Gewicht erhalten diese 10 Punkte, bedenkt man, dass es sich bei den Mitgliedern ausschließlich um US-amerikanische Exekutivbeamte, Soldaten und Nationalgardisten handelt, die in letzter Konsequenz von ihrer Regierung beauftragt würden, Repressivmaßnahmen gegen die eigene Bevölkerung durchzusetzen. Diese Repressivmaßnahmen könnten mitunter durchaus verfassungsfeindlichen Charakter haben, wie beispielsweise während des Hurrikans Katrina in New Orleans im Sommer 2005. Polizisten durchsuchten ohne Rechtsgrundlage, lediglich auf Anweisung des Polizeichefs von New Orleans, Wohnungen von Privatpersonen und beschlagnahmten Schusswaffen. Beides sind gemäß der US-amerikanischen Verfassung jedoch geschützte Rechtsgüter. Darüber hinaus wurden Einwohner von New Orleans gegen ihren Willen im Louisiana Superdom festgehalten, was nach Ansicht von Beobachtern einer Internierung gleichkam.





Nach Auffassung der Oath Keepers dürfen derart verfassungswidrige Befehle von keinem, der jemals einen Eid auf die Verfassung geschworen hat, ausgeführt werden.

Der Gründer Stewart Rhodes erklärt die Ziele der Oath Keepers:




Fazit
Die Bewegung der Oath Keepers in den USA ist noch recht jung, dennoch hat sie einen enormen Zulauf. Es bleibt zu beobachten, wie sich diese Entwicklung fortsetzen wird.
Wünschenswert wäre eine vergleichbare Bürgerechtsbewegung auch für unser Land.

Montag, 13. Dezember 2010

Sniping 4. Generation

Der eintägige Präzisionsgewehrkurs mit der etwas unscheinbaren Abkürzung „S4G“ wird von der Schweizer Schießschule NDS durchgeführt. Die Ausbilder zeigen dabei, welches Potential in einer .223 Remington stecken kann.


„Die .223 Remington ist zu schwach und zu seitenwindanfällig, jenseits der 200 Meter zu unpräzise und zielballistisch nahezu über die gesamte Distanz ohne Wirkung. Außerdem ist es völlig ausgeschlossen, mit einem militärischen Selbstladegewehr dieses Kalibers auf 500 Meter reproduzierbare Treffer auf einer Mannscheibe zu generieren.“, solche und ähnliche Aussagen sind hin und wieder zu hören, wenn die Diskussion auf das Kaliber .223 Remington bzw. sein militärischen Pedant 5,56x45 zu sprechen kommt.

Der Kurs „Sniping 4. Generation“ bricht mit vielen Vorurteilen über die .223 und selbst erfahrene Schützen zeigen sich regelmäßig überrascht, zu was die .223 in der Lage ist, so lange der Steuermann hinter der Waffe die Grundfertigkeiten des Schießens richtig anwendet und die Flugbahn seiner Laborierung kennt. Die Ausbilder bei NDS (Neurone Défense Système) sind ausschließlich aktive oder ehemalige Angehörige der Schweizer Armee, die ihr Wissen und Können an eidgenössische Milizionäre oder andere Privatwaffenbesitzer weitergeben. Alle Schieß- und Selbstverteidigungskurse bei NDS sind praxisorientiert und vermitteln ein allgemeingültiges System der Waffenhandhabung. Beim Präzisionsgewehrkurs S4G wird den Teilnehmern die ein oder andere militärische Komponente des Zielfernrohrgewehrschießens nahe gebracht. Das ist methodisch erstens unvermeidlich und zweitens gemessen an der Zielgruppe von NDS auch nicht verwunderlich.





Der Designated Marksman
Die gegenwärtigen kriegerischen Konflikte brachten eine Reduzierung der Gefechtsentfernungen mit sich. Häufig muss im urbanen Terrain gekämpft werden. Aus Analysen der US-amerikanischen Streitkräfte geht hervor, dass die statistisch erwiesene Durchschnittsentfernung beim militärischen Einsatz von Handwaffen unter 100m liegt. Oftmals bei nur 20 bis 30m. Wie schon in der Vietnamkriegs-Ära ist auch seit Beginn des 21. Jahrhunderts wieder eine Tendenz erkennbar, nur aus aktuellen Konflikten und kurzfristigen Ereignissen Rückschlüsse auf die militärische Schießausbildung zu ziehen. In der Folge wurden Schüsse über weite Distanzen nur noch rudimentär ausgebildet. Die US-Streitkräfte begannen vor einiger Zeit, den „infanteristischen Halbkilometer“ zurückzuerobern und ihn wieder in die Schießausbildung zu integrieren. Gemäß dem materialistisch orientierten Denkansatz passiert das in erster Linie durch technische Aufrüstung der vorhandenen Handwaffen. Das Konzept nennt sich bei den Amerikanern Designated Marksman und das Gewehr Designated Marksman Rifle (DMR). Der Designated Marksman ist im Gegensatz zu einem reinen Scharfschützen eingegliedert in seine Gruppe bzw. Kompanie und unterstützt diese sowohl durch präzise Schüsse auf weiter entfernte Ziele als auch durch „normales“ Infanteriefeuer. Die Schweizer hingegen hatten das Konzept des in die Gruppe integrierten Scharfschützen nie aufgegeben. Ganz im Gegenteil, es wurde in den letzten Dekaden konsequent ausgebaut und verbessert. Darüber hinaus besannen sich die Schweizer zu jeder Zeit mehr auf die natürlichen Schießfertigkeiten eines Soldaten, als den Fokus ausschließlich auf die Anschaffung von noch mehr und noch teuerem Material zu legen. Das Resultat wird in dem Eintageskurs S4G zusammengefasst.





Philosophie des S4G
Die Teilnehmer werden für den Kurs mit einer Leihwaffe und Optik ausgestattet und erhalten auch die erforderliche Menge an Munition, um den Kurs absolvieren zu können. Die Philosophie wird durch das Prinzip des Minimalismus geprägt. Zur Teilnahme sind keine Waffen mit Matchläufen erforderlich, genauso wenig wie selbstgeladene Präzisionsmunition oder teure Hochleistungsoptiken. Vielmehr setzt man auf eine Mindestbefähigung des Schützen gepaart mit einer sinnvollen Schießtechnik als wichtigste Einsatzkomponente sowie die Tatsache, dass die Leistungsfähigkeit normaler Selbstlade- bzw. Sturmgewehre oft unterschätzt wird. Das Konzept des Kurses wird durch vier Schwerpunkte getragen:
Einem Sturmgewehr 90 im Kaliber 5,56x45 bestückt mit einem 4-fach vergrößernden Zielfernrohr, der außenballistischen Methode des durchgehenden Visierbereichs (auch Gefechtsfeldvisier oder engl. Battlefield Zero genannt), welcher um einen zweiten Haltepunkt ergänzt wird. Gleiches gilt für die Kompensation von Seitenwind.
Außerdem wird dem Teilnehmer die Routine des schnellen Einzelfeuers anerzogen, sollte der Erstschusstreffer keine Wirkung im Ziel zeigen.
Ferner geht man davon aus, dass ein gut trainierter Schütze aus dem Liegendanschlag heraus eine Durchschnittsstreuung von 1°/°° (ein Promille) reproduzierbar erreichen kann.





Durchschnittsstreuung
Die Durchschnittsstreuung des Gesamtpakets Mensch & Waffe lässt sich in einem standardisierten Verfahren ermitteln.
Aus einer Entfernung von 25m gibt der Schütze 5 Schuss stehend, 5 Schuss kniend, 5 Schuss liegend ab und beginnt danach wieder von vorn bis er insgesamt 100 Schuss verschossen hat. Als Zielmedium dient die 100m-Silhouette auf der Schweizer NGST-Scheibe. Jeder Schuss sollte gezielt abgegeben werden. Trainierte Schützen können hierbei einen Rhythmus von einem Schuss pro Sekunde halten.
Im Normalfall zeigt sich nach Abschluss der Schießübung ein handtellergroßes Loch in der Scheibe umrahmt von einigen Ausreißern. Bei durchschnittlichen Schützen liegen weniger als 25% der Schüsse außerhalb der Trefferzone. Diese Schießübung sollte vor allem als didaktisches Mittel verstanden werden, um zu untermauern, dass die Durchschnittsstreuung aus allen drei Schießpositionen ausreicht, um mit 75 bis 80%iger Wahrscheinlichkeit einen Erstschusstreffer auf ein 100m entferntes Ziel platzieren zu können.
Will man seine persönliche Durchschnittsstreuung für jede Schießposition ermitteln, ist etwas mehr Aufwand erforderlich. Für den Liegendanschlag wären 25m bis zum Ziel auch zu kurz gegriffen. Hier sollten es 100m oder mindestens 50m sein. Gut ausgebildete Schützen, die in der Lage sind Grundfertigkeiten des Schießens umzusetzen, Referenzpunkte zwischen Mensch und Waffe sowie den Natürlichen Zielpunkt nutzen, erreichen im Liegendanschlag eine Durchschnittsstreuung von 0,5°/°° oder 1°/°°. Bei 1°/°° ist der Schütze in der Lage, auf 600m Entfernung ein Quadrat von 60cm mal 60cm sicher zu treffen.
Ziel dieser Übung ist des Weiteren aufzuzeigen, dass man nicht immer die „10“ treffen muss und das statistisch gesehen auch nicht kann. Für den Schützen ist diese Durchschnittsstreuung ein Helfer, im militärischen Umfeld eine extrem hohe Trefferquote zu erreichen. Ein weiteres Hilfsmittel dafür ist das Schnelle Einzelfeuer.





Schnelles Einzelfeuer
Die Schweizer Armee bildet ihre Soldaten vom ersten Tag der Schießgrundausbildung darin aus, das Ziel mit schnellem Einzelfeuer zu beschießen, wenn der erste Schuss keine Wirkung im Ziel gezeigt hat. Dazu gibt der Soldat fünf gezielte Schuss mit einem Rhythmus von etwa zwei Schuss pro Sekunde ab. Diese Methode besitzt eine deutliche Abgrenzung zum US-amerikanischen „Spray & Pray“ – dem schnellen Schießen in die grobe Richtung des Ziels. Beim schnellen Einzelfeuer macht sich der Schütze auch wieder eine sauber erlernte Schießtechnik und den Natürlichen Zielpunkt zu Nutze. Wichtigste Voraussetzung ist selbstverständlich eine korrekte Abzugskontrolle. Durch Reißen am Abzug würde sich die Durchschnittsstreuung um ein Vielfaches ausdehnen und dem Konzept des S4G zuwiderlaufen. Im Kurs zeigte sich, dass die Feuerart des schnellen Einzelfeuers über den gesamten Entfernungsbereich von Null bis 600m Erfolg versprechend anwendbar sein kann.





Durchgehender Visierbereich
Die Einschießmethode des durchgehenden Visierbereichs (Waffenkultur 05, Seite 30) bedeutet, ein Gewehr so einzuschießen, dass der Schütze über eine möglichst große Entfernung nur eine Visiereinstellung und einen Haltepunkt nutzen kann und das Projektil während des gesamten Flugbahnverlaufs nicht höher steigt, als die halbe Zielhöhe. Die „halbe Zielhöhe“ ist dabei die Determinante. Es wird unterstellt, das Ziel sei etwa 40cm hoch. Bei einem modernen Sturmgewehr im Kaliber .223 Remington lässt sich somit ein durchgehender Visierbereich von Null bis 300m realisieren. Das reicht für eine Anwendung im Konzept des S4G aber nicht aus. Abhilfe schafft die Wahl eines zweiten Haltepunktes.
Im Kurs werden die Gewehre auf 25m Fleck angeschossen. Bei einer Visierlinienhöhe von etwa 85mm hat das Geschoss einen sehr steilen Abgangswinkel, was im mittleren Entfernungsbereich zwischen 200 und 300m zu einer enormen Scheitelhöhe von bis zu über 30cm führt. Der Schütze nimmt in diesem Bereich (bis etwa 400m) einen zweiten Haltepunkt zu Hilfe. Er lässt den Oberkörper des Gegners aufsitzen. Die Faustregel ist: Kann man durch das ZF Details an der Uniform erkennen, ist der Entfernungsbereich „mittel“. Kann man diese Details nicht mehr erkennen, ist das Ziel „weit“ entfernt. Der Soldat wählt einen Haltepunkt, bei dem das Ziel fast vollständig verdeckt wird.
Die einfache Methode des durchgehenden Visierbereichs wird lediglich durch eine Komponente erweitert. Mühsames und zeitaufwendiges Entfernungsschätzen erübrigt sich. Ebenso ist der Schütze nicht gezwungen, während des Feuergefechts an Stellschrauben seines Zielfernrohrs zu drehen.





StG90 und 4-fach Optik
Der Veranstalter NDS stellt jedem Teilnehmer ein Sturmgewehr 90, welches mit dem Waffentyp der SIG 550-Serie nahezu identisch ist. Alle Waffen sind mit einem 4-fach vergrößernden Zielfernrohr militärischer Fertigung und älterer Bauart ausgestattet. Die Optiken besitzen einen Zielstachel als Absehen. Gemessen an den Optionen, die der Markt heutzutage in Bezug auf Präzisionsgewehre bereithält, scheint diese Komposition ihrer Zeit hinterher zu hinken. Dennoch genügen sowohl Waffe als auch Optik den Anforderungen des Kurses und ermöglichen Treffer bis zu einer Entfernung von 600m.





Kursablauf
Der Eintageskurs beginnt mit dem Einschießen der Waffen. Die Teilnehmer nutzen dafür einen 25-m-Kurzwaffenschießstand. Das Einschießen erfolgt aus liegender Position heraus. Ein Rucksack dient als einzige Unterstützung zur Stabilisierung der Waffe. Angestrebt wird ein Fleckschuss auf 25m mit einer Schusslochgruppe, die sich von einem 2-Euro-Geldstück abdecken lässt. Das Gespann Waffe, Munition & Mensch könnte eine weit bessere Präzision erreichen. Das widerspricht aber dem Prinzip des Minimalismus, dem sich NDS verschrieben hat. Die Ausbilder achten allerdings sehr genau auf eine korrekte Abzugsmanipulation bei den Teilnehmern. Um den relativ langen Abzugsweg eines SIG-Sturmgewehrs beherrschen zu lernen, wird gelehrt, den Abzug bewusst bis zum hinteren Anschlag zu drücken und in einer kontrollierten Bewegung nach vorn gleiten zu lassen. Über den gesamten Weg behält der Abzugsfinger ständig Kontakt zum Abzug.
Beim Einschießprozess wird so vorgegangen, als ob die Rast- bzw. Verstellmaße aller Zielfernrohre unbekannt sind. Für den Schützen ist das methodisch sinnvoll, bekommt er doch so eine Methodik gelehrt, jedes ihm unbekannte Zielfernrohr mit einem Minimum an Aufwand einjustieren zu können.
Im Laufe des Vormittags werden alle Aspekte des Schießkonzepts S4G im dialogischen Prinzip erarbeitet. Beispielsweise wird erörtert, wie lange ein Schütze braucht, um mit seinen Mitteln die Entfernung zu einem Objekt auszumachen. Demgegenüber wird das S4G-Konzept der „nahen“ und „weiten“ Distanz im scharfen Schuss angewandt. Gleiches gilt für das Feststellen des Seitenwindes mit herkömmlichen Mitteln. Das S4G-Konzept arbeitet auch hier wieder mit nur zwei Haltepunkten. Je nach Windstärke und Entfernung zum Ziel.
Nach der Mittagspause verlegen die Teilnehmer unmittelbar auf die 600-m-Bahn. Aus der Schießposition Liegend aufgelegt werden alle Aspekte des S4G-Konzepts in die Praxis umgesetzt. Zum Erstaunen manch eines Teilnehmers fallen die Klappscheiben am Ende der 600m Bahn tatsächlich um. Trotz des immer als leistungsschwach titulierten Kalibers .223 Remington.





Fazit
Strebt man als Gewehrschütze ein möglichst breites Basiswissen an, ist der Präzisionsgewehrkurs S4G ein wichtiger Stein im Gesamtpuzzle der persönlichen Weiterbildung. Der Kurs ist methodisch sehr gut aufgebaut und führt zu einer nachhaltigen Verbesserung der Schießtechnik. Die individuelle Erfahrung, einen .223-Remington-Selbstlader erfolgreich über eine Distanz von bis zu 600 Metern eingesetzt zu haben, ist für das Selbstvertrauen jedes Schützen nützlich.
Alle wesentlichen Erkenntnisse des Kurses sind in dem 50 seitigen Buch „Le sniping de 4ème génération“ von Philippe Perotti zusammengefasst. Das Buch ist nur in französischer Sprache erhältlich.

Sonntag, 28. November 2010

Nachtrag: Einhändiges Bedienen einer Pistole

Der Beitrag über das einhändige Bedienen einer Pistole, insbesondere beim Nachladen und der Störungsbeseitigung, warf zum Teil eine kontroverse Diskussion auf. Ich möchte mich für die Hinweise der Leser bedanken und das Thema hier nochmals aufgreifen.


Leitgedanke der Technik
Mit Eintrag vom 8. September 2010 ist in diesem Internettagebuch ein Beitrag zu >> Pistole (einhändig) veröffentlicht. Darin werden Techniken beschrieben, mit denen nach dem Ausfall einer Hand die Pistole dennoch in Feuerbereitschaft gehalten bzw. wieder in Feuerbereitschaft versetzt werden kann.
Die Darstellung vertritt dabei folgenden Leitgedanke: Es ist besser eine Technik zu beherrschen, die für die meisten aller Fälle anwendbar ist, als mehrere Techniken für verschiedene Sonderfälle einige Male geübt zu haben. Gesucht wird das Maximum für den allgemeinen Fall, nicht das Optimum für den speziellen Fall.

Bewegungsfreiheit vs. Baukastensystem
Konkret ging es bei den Leserzuschriften darum, sich die Pistole für Ladetätigkeiten zwischen die Knie zu klemmen. Mehrfach wurde die Frage aufgeworfen, ob man sich dadurch nicht selbst in seiner Bewegungsfreiheit einschränke. Die Antwort ist: „Ja, das tut man. Mit einer Pistole zwischen den Knien schränkt man seine Bewegungsmöglichkeit sogar sehr massiv ein.“, was ein Nachteil dieser Technik sein kann.
Jedoch überwiegen hier die Vorteile, die der Vereinheitlichungsgedanke mit sich bringt.

Wahrnehmungsfähigkeit und Schiefgehfaktor
Eine bewaffnete Konfrontation ist immer von Chaos und hoher Dynamik geprägt. Beträgt die Distanz zum Gegner nur einige Meter, die schnellen Schrittes innerhalb von weniger als zwei Sekunden überwunden werden können, wird sich niemand die Pistole zwischen die Knie klemmen, um sie nachzuladen. Jede andere Nachladetechnik ist in diesem Fall aber genau so wenig Erfolg versprechend. Besonders dann, wenn nur eine Hand zur Verfügung steht. In dieser Situation wäre es vermutlich das Beste, zu versuchen, die Pistole den Gegner an den Kopf zu werfen und somit seinen O.D.A.A.-Loop zu unterbrechen. Im folgenden Handgemenge hat man auch weiterhin nur eine Hand zur Verfügung. Machen wir uns nichts vor: In einer andauernden Konfrontation verwundet zu werden, mindert die Siegchancen drastisch.
Jedoch nicht alle Schießereien finden in extremer Nahdistanz statt. Manchmal ist es möglich Deckung zu nehmen oder es tritt eine Kampfpause ein. Dann ist es wichtig, Techniken zu beherrschen, seine Faustfeuerwaffe wieder in Feuerbereitschaft zu versetzen. Wenn es die Situation fordert auch einhändig.

Auch die Wahrnehmungsfähigkeit, die Motorik und der Intelligenzquotient werden in Hochstressphasen schwerwiegend herabgesetzt. Unter mehreren Techniken die einige Male geübt wurden, die richtige auszuwählen, beansprucht Gehirnkapazitäten, die nicht zur Verfügung stehen werden. Entscheidungsfindung unter Zwang hat immer einen hohen Schiefgehfaktor. Deshalb ist es besser, eine Technik verinnerlicht zu haben, deren Nachteile kalkulierbar sind, die aber im Gegenzug für alle Situationen praktikable Lösungsansätze bietet.





Für das einhändige Bedienen einer Pistole ist das Klemmen zwischen die Knie eine solche Technik. Sie funktioniert sowohl im Stehen als auch im Knien als auch in Rückenlage oder seitlich links / rechts liegend, wenn ein Mindestmaß an Deckung genutzt werden soll. Sie funktioniert mit der rechten Hand gleichermaßen wie mit links. Ebenfalls fügt sie sich in das Baukastensystem ein, wenn beispielsweise die Waffe mit links gezogen wird und umgegriffen werden muss. Dem Vereinheitlichungsgedanke wird hier Rechnung getragen. Die Technik ist weitestgehend universell einsetzbar, sie ist einfach zu erlernen und stressstabil.

Dienstag, 16. November 2010

Das richtige Holster

Die Wahl des richtigen Holsters ist für den praxisorientierten Gebrauch einer Kurzwaffe von großer Bedeutung. Ein gutes Holster muss aber nicht teuer sein. Welchen Anforderungen ein Holster genügen muss und was der Schütze bei Kauf und Benutzung beachten sollte, beschreibt dieser Artikel.


Für die Teilnahme an Schießkursen ist manchmal die Verwendung eines Holsters vorgeschrieben. Dem Teilnehmer soll eine praxisgerechte Waffenhandhabung vermittelt werden, wodurch das Ablegen der Waffe auf einen Schießtisch obsolet wird. Das Führen einer Kurzwaffe am Körper ist nicht nur für Soldaten, Polizisten und private Personenschützer von Bedeutung, sondern auch für Jäger, die ihre Fangschusswaffe im Revier bei sich haben wollen. Darüber hinaus gibt es beim BDS, BDMP, DSU und anderen Verbänden Schießsportdisziplinen, bei denen das Benutzen eines Holsters Pflicht ist.
Leider ist oft zu beobachten, dass beim Kauf eines Holsters weit weniger nachgedacht wurde als beim Kauf der Schusswaffe. Teilweise sieht man dem Ausrüstungsgegenstand auch an, dass ein Notkauf war, um beispielsweise den Mindestvoraussetzungen zur Teilnahme an einem Schießkurs zu genügen. Der Käufer wollte entweder so wenig Geld wie möglich ausgeben oder wurde falsch beraten. Das Holster ist entweder zu groß oder zu klein für die Waffe, sitzt nicht fest genug am Gürtel oder hat Verschlusssysteme, die in ihrer Bedienung zu kompliziert sind.
Ein gutes Holster muss nicht teuer sein. Der Schütze sollte jedoch drei wichtige Kriterien beachten.

Abzug
Der Abzug muss verdeckt sein, so lange sich die Waffe im Holster befindet. Anderenfalls besteht die Gefahr der Schussauslösung schon während des Ziehvorgangs. Es sind glücklicherweise nur noch sehr wenige Modelle im Umlauf, die dieser Anforderung nicht nachkommen. Aus dem Handel scheinen sie ganz verschwunden zu sein.

Formstabil
Das Holster sollte formstabil sein. Dadurch wird das Wegstecken der Waffe erheblich vereinfacht. Sind Holster nicht formstabil, führt das meist zwangsläufig zur Verletzung einer wichtigen Sicherheitsregel. Muss der Schütze das Holster mit der linken Hand quetschen, um die Waffe wegstecken zu können, überstreicht die Mündung der Waffe die Hand des Schützen. In manchen Schießsportdisziplinen führt dieses so genannte „Sweeping“ zur Disqualifikation.

Fester Sitz
Die Waffe muss fest im Holster sitzen und sollte auch bei einem kurzen Sprint nicht herausfallen. Bei Kydex-Holstern ist dieser Ziehwiderstand durch die Bauart gewährleistet. Das Holster greift mit einer kleinen Nase meist in den Abzugsbügel der Waffe und sorgt so für einen ausreichend festen Sitz. Andere Holster wiederum haben eine extra Sicherung, die betätigt werden muss, bevor die Waffe gezogen werden kann. Diese Systeme leisten einen erweiterten Schutz gegen Fremdzugriff. Sie sind jedoch übungsintensiver und verlangsamen aufgrund einer zusätzlichen Bewegung den Ziehvorgang um einige Zehntelsekunden.
Etwas in die Jahre gekommen sind Lederholster mit einem Riemen, welcher mittels Druckknopf verschlossen wird. Dieser Verschlussmechanismus ist oft so umständlich und zeitraubend, dass er früher oder später einfach nicht mehr benutzt wird. Das läuft jedoch konträr zu den Anforderungen, da Lederholster selbst nicht genug Ausziehwiderstand bieten und somit ein unbeabsichtigtes Herausfallen der Waffe die Folge sein kann.



Kydexholster von Uncle Mike's mit Paddle




Innenbundholster von Don Hume (No. 36) mit sehr gutem Tragekomfort




Beinholster Safariland 6004




Das RADAR 2-fast URSS



Positionen
Vor dem Kauf sollte man sich auch darüber im Klaren sein, an welcher Position das Holster getragen werden soll. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen einer verdeckten und offenen Trageweise. Die nach wie vor gebräuchlichste Variante ist das Tragen am Gürtel auf etwa „fünf“ Uhr, also im Bereich der Nieren. Einige Holster haben einen so genannten „Paddle“, welcher einfach in den Hosenbund gesteckt wird. Das Einfädeln des Gürtels in das Holster entfällt somit. Spezielle Holstertypen ermöglichen auch das Tragen der Waffe innerhalb des Hosenbundes.
Insbesondere für den taktischen Einsatz sind Beinholster entwickelt worden. Muss der Anwender am Oberkörper verschiedene Ausrüstungsgegenstände bei sich tragen, reicht der Platz am Gürtel meist nicht zur Aufnahme eines Gürtelholsters aus. Das Holster wandert demnach an den Oberschenkel, wodurch das Tragen aber auch das Ziehen der Kurzwaffe nicht weiter beeinträchtigt wird. Es sollte jedoch unbedingt darauf geachtet werden, dass die Waffe relativ hoch am Oberschenkel sitzt. Der Schütze muss in der Lage sein, die Waffe zu greifen ohne dabei seinen Oberkörper zu neigen.
Eine Europa noch recht wenig verbreitete Art die Waffe (verdeckt) zu führen, ist auf der „zwei“ Uhr Position. Auch als „appendix carry“ bekannt, erlangte diese Art vor allem in Nord- und Mittelamerika eine gewisse Popularität. Die Vorteile liegen in einer sehr kurzen Zugriffszeit auf die Waffe und der Möglichkeit, die Waffe auch noch während einer körperlichen Auseinandersetzung ziehen zu können. Der Nachteil ist, dass die Mündung fast immer in Richtung Beinschlagader zeigt.
Abzuraten ist vom Kauf eines Cross-Draw oder eines Schulterholster. Beim Cross-Draw, wo ein Rechtsschütze die Waffe auf der linken Seite trägt, ist ein sicherer Ziehvorgang fast ausgeschlossen. Die Mündung der Waffe kann dabei zu leicht beistehende Personen überstreichen. Gleiches gilt für das Schulterholster. Hinzu kommt bei dieser Variante noch der mangelhafte Tragekomfort.



Appendix Carry



Sicherungssysteme
Sicherungssysteme erschweren den Fremdzugriff auf die Waffe. Für Einsatzkräfte, die häufig in Menschenmengen operieren müssen, kann dieser Umstand zur Lebensversicherung werden. Manche Holstertypen verfügen sogar über mehr als eine Sicherung. In der Ausbildung sollte unbedingt realitätsnah trainiert werden. Das heißt alle Sicherungssysteme sollten immer benutzt, also geschlossen sein. Nur wenn man im Training permanent mit diesen Systemen übt, ist das reibungslose Ziehen der Waffe im Ernstfall gewährleistet. Das Ziehen der Waffe darf dabei nicht nur im Stehen geübt werden, sondern muss auch aus unkonventionellen Positionen heraus beherrscht werden. Beim Ziehen einer Pistole in Rückenlage ist der Griffwinkel unter Umständen etwas anders. Bei mechanischen Druckknopfsystemen kann es vorkommen, dass die Waffe manchmal nicht sofort freigegeben wird.



Das Serpa Holster




Fazit

Ein gutes Holster muss formstabil sein und die Waffe sicher halten können. Der Abzug muss verdeckt sein. Besitzt das Holster Sicherungssysteme, muss im Training permanent mit dieses Systemen gearbeitet werden, um eine Vertrautheit zu erzeugen. Einhändiges Bedienen mit der Nichtschusshand und das Ziehen der Waffe in unkonventionellen Positionen sollte ins Training integriert werden.

Montag, 8. November 2010

Schießunfälle und Sicherheitsregeln

Spätestens seit Jeff Cooper und den frühen Jahren der Gunsite Range existieren 4 elementare Sicherheitsregeln für den Umgang mit Schusswaffen, die unfallfreies Schießen bis zu einem sehr weit entfernten Zeitpunkt erlauben. Leider ist die Umsetzung dieser Sicherheitsregeln gerade im Behördenbereich meist indirekt proportional zur (Selbstwahrnehmung der) eigenen Professionalität.


Tom Givens, ein US-amerikanischer Schießausbilder und Inhaber der Schule „Rangemaster“ in Memphis, Tennessee ist schon sehr lange im Geschäft und mit seinem Ausbildungsprogramm vorwiegend auf den Privatwaffenbesitzer fokussiert. Aufgrund der hohen Kriminalitätsrate in seiner Heimatstadt reißt der Zustrom an Ttrainingswilligen auch nicht ab. Tom Givens bringt einen monatlich erscheinenden Newsletter heraus, der wertvolle Informationen zu Aspekten des Schießtrainings aber auch der mentalen Einstellung zu bewaffneten Konfrontationen bzw. deren Vermeidung enthält. In der November-Ausgabe widmet sich Tom Givens einigen Todesfällen im Zusammenhang mit behördlicher Schießausbildung. Wohlgemerkt Ausbildung(!) – keine Einsätze. Alle Todesfälle stammen aus dem Jahr 2010 und wurden einzig durch die Missachtung einer oder gar mehrerer Sicherheitsregeln verursacht.


(Quelle: Tom Givens, Rangemaster-Newsletter November 2010, Volume 14, Issue 11)


Link zum kompletten Newsletter:
http://www.rangemaster.com/newsletter/2010-11_RM-Newsletter.pdf


Die Sicherheitsregeln

1) Jede Waffe ist geladen. (Keine Zusätze. Keine Einschränkungen.)

2) Die Mündung überstreicht nur das, was ich auch beschießen will.

3) Der Finger berührt erst dann den Abzug, wenn ich die Entscheidung zum Schuss getroffen habe.

4) Ich kenne mein Ziel und achte auf das, was dahinter ist.





Jede Waffe ist geladen
Diese Sicherheitsregel steht nicht ohne Grund an erster Stelle. Sie ist die wichtigste überhaupt. Gern wird diese Regel umformuliert oder mit Zusätzen und Einschränkungen versehen. Beispielsweise wird sie gern abgewandelt zu: „Ich betrachte jede Waffe als geladen.“, was in gewisser Weise einer Einschränkung gleich kommt. Denn wenn ich eine Waffe lediglich als geladen „betrachte“, gehe ich unbewusst davon aus, dass sie nicht geladen ist. Der einfachste Weg eine Waffe als geladen zu betrachten, ist sie zu laden.
Es ist eine Erziehungsfrage, ob einem Waffenbesitzer von Anfang an beigebracht wird, dass jede Waffe geladen ist. Oder, dass der Normalzustand einer Waffe ungeladen ist und sie nur im „Ausnahmefall“ geladen wird.
Jährlich passieren hunderte von Schießunfällen mit ungeladenen Waffen. Jeder einzelne davon könnte vermieden werden, würde man Sicherheitsregel #1 befolgen.


Besondere Trainingsvarianten
Werden Force-on-Force Trainings durchgeführt, bei denen Angriffs- und Verteidigungssituationen in Partnerübungen simuliert werden, ist unbedingt sicherzustellen, dass sich keine realen Schusswaffen im Raum bzw. in Reichweite befinden. Jeder Teilnehmer dieses Trainings muss pünktlich zum Beginn und damit zur Belehrung anwesend sein.
Ein großes Sicherheitsrisiko stellen Übungsabläufe dar, bei denen bewusst reale Schusswaffen in Verbindung mit so genannter Simunition-Munition verwendet werden. Treffer durch diese Sim-Mun sind nur schmerzhaft aber nicht tödlich. Dennoch besteht jeder Zeit die Gefahr, dass aus Übereifer oder Unachtsamkeit eine scharfe Patrone geladen wird.
Die weitaus bessere Alternative stellt das 6-mm-BB-System dar.
>> http://feuerkampf-und-taktik.blogspot.com/2010/09/force-on-force-die-ausrustung.html


Fazit
Die 4 Sicherheitsregeln dürfen niemals missachtet werden. Sie dürfen auch nicht im Glaube an die eigene Professionalität teilweise außer Kraft gesetzt werden. Vor jeder Trainingssitzung oder auch jeder anderen Schießveranstaltung muss es ein Sicherheitsbriefing geben, in dem allen Teilnehmer die 4 Regeln in Erinnerung gerufen werden.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Kompakttaschenlampen

Mit Taschenlampen verhält es sich wie mit Schusswaffen: Man sollte immer mindestens eine dabei haben. Das Führen von Taschenlampen ist (noch) nicht reglementiert oder strafbewährt. Um aber von der Angebotsvielfalt nicht erschlagen zu werden, nachfolgend ein paar Hinweise zum Kauf.


LED oder Xenon?
Während vor einigen Jahren noch die Wahl zwischen LED-Modul und Xenon-Glühfadentechnik getroffen werden musste, kann heute für die allermeisten Anwendungen uneingeschränkt zu LED-Lampen geraten werden. LED haben die Kinderkrankheiten der zu geringen Lichtausbeute und einer mangelhaften Wärmeabfuhr überwunden.
Die LED Technik (Light Emitting Diode) ermöglicht im Vergleich zu herkömmlichen Lampen wesentlich mehr Leuchtkraft, bei geringeren Abmessungen und Gewicht. Leuchtdioden sind mikrostrukturelle Festkörper und vollkommen unanfällig gegen Erschütterungen. Sie halten etwa 1000 mal länger als herkömmliche Glühbirnen und erzeugen im Verhältnis zur Leuchtkraft weniger Wärme und verbrauchen weniger Strom.


Lichtausbeute und Lebensdauer
Ein wesentliches Kriterium von Leuchtmitteln ist die Lichtausbeute. Sie gibt an, wie effizient die elektrische Leistung (in Watt) in einen Lichtstrom (in Lumen) verwandelt werden kann. Maßeinheit der Lichtausbeute sind Lumen pro Watt. Bei Glühlampenlicht wird ein großer Teil der zugeführten elektrischen Energie in Wärme umgewandelt. Hier liegt ein Vorteil der LED. Sie arbeiten ohne Glühfäden und erzeugen daher wesentlich weniger Wärme. Das Funktionsprinzip ist daher effizienter als im Glühbirnenbereich. Die Lichtausbeute, sprich die Effizienz einer LED betrug vor etwa drei Jahren noch 50 Lumen pro Watt. Qualitativ hochwertige Module erreichen eine Ausbeute von 100 Lumen pro Watt. Im Vergleich dazu erreichen eine Glühbirne etwa 15 Lumen pro Watt und ein Halogenstrahler etwa 30 Lumen pro Watt. Die Lebensdauer einer Leuchtdiode beträgt in der Regel 50.000 Stunden. Manchmal auch bis zu 100.000 Stunden. (Ein Halogenstrahler etwa 1.500 Stunden) Die Lebensdauer einer LED wird unter anderem durch Temperatur und den elektrischen Strom beeinflusst. Je höher die Temperatur, desto kürzer die Lebensdauer.


Die Preissegmente
Abzuraten ist vom Kauf einer LED-Taschenlampe im Baumarkt. Auch wenn der Preis von etwa 10 € verlockend ist, es handelt sich in den meisten Fällen um preisgünstig aufgekaufte Restpostenware mit einer überholten Technologie.
Andererseits ist für den Betrag von 50 bis 80 € ein qualitativ hochwertiges Produkt der neusten Generation erhältlich. Die chinesische Marke Fenix konnte in den vergangenen Jahren erhebliche Marktanteile gewinnen. Derzeit ist eine komplette Taschenlampenserie von Fenix auf dem Markt. Die Produktpalette bietet für jeden Verwendungszweck die richtige Lampe. Und das zu einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis.
Etwas tiefer muss man in die Tasche greifen, will man sich mit SureFire-Qualität ausstatten. Lampen des US-amerikanischen Herstellers SureFire genießen seit über 30 Jahren einen ausgezeichneten Ruf der Unverwüstlichkeit.



Fenix LD10

Die Fenix LD10 ist einer der kleinsten Vertreter der Serie. Sie wird mit einer preisgünstigen und leicht verfügbaren AA Mignon Batterie betrieben. Mit dem Gürtelclip und dem mitgelieferten Cordura-Gürtelholster empfiehlt sie sich als Begleiter für jeden Tag. Die LD10 verfügt über insgesamt sechs Lichtmodi. Zwei davon im Turbomodus und vier im Normalmodus. Der Negativklickschalter erlaubt aber kein Momentlicht.

http://www.riversandrocks.com/shop/licht/fenix/mit-aa-mignon-batterie/p5544_fenix-ld10-r4.html






Fenix TK12
Die Fenix TK12 ist ein typischer Vertreter der Kompaktklasse. Sie ist größer als die LD10 und wird mit zwei CR123a Batterien betrieben. Beim Kauf einer solchen Lampe sollte nicht vergessen werden, dass die Nachschubsicherheit von CR123a Batterien in infrastrukturschwachen Regionen der Erde nicht immer gewährleistet ist. Bzw. die Kosten entsprechend hoch sein werden. Die TK12 besitzt einen Druckschalter für Moment- und auch Dauerlicht. Durch Drehen des Lampenkopfes lassen sich drei verschiedene Modi einstellen.

http://www.riversandrocks.com/shop/licht/fenix/tactical/p5607_fenix-tk12-r5.html




Fenix TK 45
Die TK 45 setzt nicht nur neue Maßstäbe in Punkto Lichtausbeute, sondern auch durch ihr futuristisches Design mit dem 3-fach-Lampenkopf. Wie alle anderen Fenixlampen besitzt die TK 45 einen spritzwassergeschützten, mattschwarzeloxierten Aluminiumkörper. Im Gegensatz zu anderen Lampen wich der Endkappenschalter jedoch zwei seitlich angebrachten Funktionstasten.
Nach Herstellerangaben liefern die drei Cree R5 LED-Module eine Gesamtleuchtkraft von 760 Lumen. Gespeist wird die TK 45 über acht kostengünstige Mignon AA Batterien; kann aber optional auch mit Akkus betrieben werden. Die Lampe verfügt über mehrere Leuchtstufen zwischen 8 und 760 Lumen sowie verschiedene Blinkfunktionen. Sie wiegt etwa 500g und ist 200mm lang. Der Körper hat einen Durchmesser von 45mm.


http://www.riversandrocks.com/shop/licht/fenix/neuheiten/p5989_fenix-tk45.html





SureFire E2D Defender (LED)
Setzt man Lampen in einem Bereich ein, in dem unter Umständen das Leben davon abhängen kann, gibt es zu Produkten des Herstellers SureFire vermutlich keine Alternative. Höchste Qualitätsansprüche und eine Firmenphilosophie, bei der nicht überlegt wird, wie ein Produkt billiger zu machen ist, sondern nur wie es verbessert werden, stehen hinter SureFire. Die Preisspirale beginnt bei 150 € aufwärts.

http://www.riversandrocks.com/shop/licht/surefire.html

Montag, 11. Oktober 2010

Der New York Trigger

Die Firma Glock bietet für ihre Pistolen mehrere Abzugsvarianten an. Eine davon ist unter der Bezeichnung „New York Trigger“ bekannt. Der New York Trigger ist landläufig mit dem Vorurteil belastet, hart und kaum beherrschbar zu sein. Ein Selbsttest zeigt jedoch, dass er durchaus eine Alternative auch für die Nutzung in Gebrauchswaffen darstellen kann.


Ursprung
Als sich die New Yorker Polizei in den 1980er Jahren dazu entschied, ihre Beamten mit Glockpistolen auszurüsten, wollte man ihnen den Wechsel vom Revolverabzug auf den Glock Safe-Action-Abzug erleichtern. Glock überarbeitete den Abzugsmechanismus grundlegend und entwickelte eine Abzugsfeder, die unter dem Name „New York Trigger Spring“ in die Waffengeschichte einging. Die Waffe erhält damit eine andere Abzugscharakteristik, welche an einen Double-Action Abzug angelehnt ist. Sowohl Abzugsvorweg als auch Abzugswiderstand erhöhen sich. Die Charakteristik eines reinen Double-Action Revolverabzugs kann damit jedoch nicht abgebildet werden.

Von Kritikern wird der New York Trigger gern als unbeherrschbar beschrieben. Fälschlicherweise folgt man mit dieser Denkweise der Meinung, die Präzision einer Waffe erhöhe sich, wenn ihr Abzugswiderstand geringer wird. Das ist aber nicht der Fall. Leichtere Abzüge kaschieren bis zu einem gewissen Grad lediglich einen vorhandenen Abzugsfehler des Schützen. Sie helfen aber keineswegs dabei, diesen motorisch bedingten Abzugsfehler zu beheben. Ganz im Gegenteil: Durch fortgesetztes falsches Üben schleift sich der Abzugsfehler mehr und mehr ein. Darüber hinaus stellen leichte Abzüge eine Gefahr dar, wenn in Stresssituationen das Ausführen von feinmotorischen Bewegungen nicht mehr funktioniert.





Technische Beschreibung
Die technische Umsetzung eines New York Trigger ist simpel: Während beim Standard Glockabzug die Abzugsfeder (Bauteil #25) permanent unter Zug steht und bis zur Schussauslösung noch weiter gespannt, d.h. „gezogen“ werden muss, steht die New York Abzugsfeder (Bauteil #25a/b) permanent unter Druck. Zur Schussauslösung wird sie über den Abzug und die Abzugsstange weiter komprimiert.
Es gibt zwei Ausführungen des New York Trigger. Den N.Y.1 und den N.Y.2
Der N.Y.1 Abzug ist olivgrün und besitzt eine silberfarbene Feder. Der N.Y.2 ist orange und hat eine schwarze Feder. Er ist der härtere von beiden.

Je nach Schlagbolzenfeder und Steuerfeder entstehen unterschiedliche Konfigurationen. Vorausgesetzt man nutzt die Standard Schlagbolzenfeder mit 24 Newton, erreicht die N.Y.1 Abzugsfeder in Verbindung mit einer „minus“-Steuerfeder nach Werksangaben ein Abzugsgewicht von 3,5 kg. In Verbindung mit einer Standard Steuerfeder 4,0 kg.

Die N.Y.2 Abzugsfeder kommt in Verbindung mit der Standard Steuerfeder auf 5,0 kg Abzugswiderstand.
Eine Verwendung der New York Abzugsfedern in Verbindung mit der „plus“-Steuerfeder wird werksseitig nicht empfohlen.



(Quelle: Glock Armorer's Manual 2009, S. 45)



Vergleichstest
Im Praxistest wurde in einer Glock 19 eine N.Y.1 Abzugsfeder (olivgrün) mit einer „minus“-Steuerfeder verbaut. Der tatsächliche Abzugswiderstand beträgt 3,0 kg (Durchschnittswert aus zehn Messungen). Der Glockabzug bekommt in dieser Konfiguration eine ausgesprochen angenehme Druckpunktcharakteristik. Welche denen von Selbstladegewehren der SIG 550-Baureihe nicht unähnlich ist.
Diese Wahrnehmung ist allerdings nur subjektiv. Unter der Fragestellung, ob der New York Trigger negativen Einfluss auf die Präzision, auf den Schießrhythmus oder auf die Zeit bis zum ersten Schuss hat, wurden mehrere Standardübungen mit der Waffe geschossen.
Beim Dot Drill wurde versucht, einen relativ schnellen Rhythmus von ein Schuss in zwei Sekunden zu halten. Entfernung drei Meter.
Ebenso wurden die zehn Standardübungen für Pistole von Paul Howe (CSAT) aus einer Entfernung von 6,30 m geschossen, mit besonderem Augenmerk auf die Zeit, die für den ersten Schuss benötigt wird. In die Wertung flossen dabei nur Durchgänge ein, bei denen auch ein Treffer erzeugt wurde. Mit einem Glock Standardabzug bricht der erste Schuss im Durchschnitt bei 0,93 Sekunden. Mit einem New York Trigger bei 0,94 Sekunden. Die Differenz von 1/100 ist für die Gesamtbetrachtung irrelevant. Auch der Dot Drill konnte ohne merkliche Präzisions- oder Qualitätseinbuße absolviert werden.





Fazit
Will man seiner Glock eine Abzugscharakteristik verleihen, die etwas mehr in Richtung Druckpunktabzug tendiert, stellt die New York Abzugsfeder N.Y.1 eine echte Alternative dar.
Gebrauchswaffenträger werden den etwas höheren Abzugswiderstand schnell schätzen lernen.
Weder subjektiv noch objektiv kann man zu dem Urteil kommen, der New York Trigger sei „unbeherrschbar“.

Montag, 4. Oktober 2010

Unfuck yourself…

…damit meint der US-Amerikaner, man solle bitte eine unschöne Situation bereinigen, in die man sich selbst manövriert hat oder andere bestehende, selbstverursachte Probleme mit einem relativ geringen Zeitansatz lösen. Oder sich einfach nicht doof anstellen und vorm Handeln nachdenken. Natürlich lässt sich diese Redensart auch auf Schießausbildung übertragen.


Neulich auf einem Schießkurs: Die Aufgabenstellung war, eine bzw. mehrere Übungen in einer abgedunkelten Raumschießanlage zu schießen. Derartige Lehrinhalte setzen beim Teilnehmer fortgeschrittene Kenntnisse in Sachen Waffenmanipulation voraus, ist er doch aufgrund der Dunkelheit seines Hauptsinns – nämlich des Sehens – beraubt. Aber auch Ausbilder sollten über einen erweiterten Erfahrungsschatz verfügen, um ihren Teilnehmern die größtmöglichen Lernfortschritte zu gestatten.

Im geschilderten Fall gab der Ausbilder seinen Studenten die Anweisung, sofort nach dem Beenden der Übung – also noch bei Dunkelheit – die Waffe zu entladen und Sicherheit herzustellen. Die Mittagspause nahte und die Zeit drängte.
Aus mehreren Gründen kann diese Vorgehensweise Probleme aufwerfen. Wir betrachten das Ganze aus allgemeiner Sicht, aus Sicht des Schützen und im Bezug auf die Schießstandsicherheit.


1.) Im Allgemeinen
Es besteht keine Notwendigkeit, eine Waffe überhaupt im Dunkeln zu entladen. Der Schütze sollte befähigt werden, seine Waffe im Dunkeln wieder in Feuerbereitschaft zu versetzen. Und genau diese Handlungsroutinen sollten geübt werden. Keine anderen. Ist das geschehen, geht die Waffe zurück ins Holster oder verbleibt weiterhin in einer angemessenen Bereitschaftsposition.


2.) Aus Sicht des Schützen
Das Entladen einer Waffe symbolisiert für den Schützen unmittelbar das Ende einer Trainingssitzung, das Ende einer Schießsportübung oder eines Wettkampfabschnittes. Im vorliegenden Fall ist das aber nicht gegeben. Die Ausbildungssituation ließe sich auf den einfachen Nenner reduzieren: Dunkelheit = Feuerkampf. Solange der Schütze in eingeschränkten Sichtverhältnissen arbeiten muss, hat er sich gemäß taktischen Erfordernissen zu verhalten. Das Entladen einer Waffe gehört nicht dazu.
(siehe auch Beitrag: Wenn die Übung beendet ist... )


3.) In Bezug auf die Sicherheit
Um einen hohen Standard in Bezug auf Schießstand- bzw. Kurssicherheit zu halten, ist es erforderlich, ein Sicherheitsprotokoll zu definieren und dementsprechend zu handeln. Bei Schießkursen auf der internationalen Bühne geschieht das in der Regel durch folgenden Ablauf: Bei Kursende oder auch vor der Mittagspause treten alle Teilnehmer an die Feuerlinie und stellen auf Kommando des Kursleiters Sicherheit an ihren Schusswaffen her. Dabei überprüft jeder Teilnehmer auch seinen Nebenmann.
In freiheitlich geprägten Ländern, die ihren Bürgern das Führen einer Schusswaffe nicht verwehren, kann das Protokoll dahingehend ergänzt werden, dass die Kursteilnehmer zu diesem Zeitpunkt an ihren Schusswaffen wieder Feuerbereitschaft mit der jeweiligen Einsatzmunition (die sich u.U. von Trainingsmunition unterscheiden kann) herstellen.


Fazit
Eine praxisorientierte Schießausbildung sollte immer Situationen, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in der realen Welt eintreten können vorwegnehmen und realitätsnah abbilden. Soweit das durch die künstliche und sterile Umgebung eines Schießstandes machbar ist.
Auf der anderen Seite sollten in der Ausbildung Elemente, die niemals eintreten werden oder die taktisch unsinnig sind, grundsätzlich vermieden werden. Der Entladeprozess einer Waffe bei völliger Dunkelheit gehört dazu.

Dienstag, 28. September 2010

Force-on-Force: Die Ausrüstung

Force-on-Force ist zu einem Schlagwort für praxisorientierte Schießausbildung geworden. Immer mehr Waffenträger nutzen diese hocheffiziente Trainingsmethode. Richtig umgesetzt ist Force-on-Force ein Ausweg aus unrealistischer Schießausbildung. Eine sinnvolle Wahl der Ausrüstung ist wichtig.


Der Aufbau und die Durchführung einer auf praktische Belange ausgerichteten Schießausbildung müssen weder kosten- noch zeitintensiv sein. Elemente, die sich aufgrund von Schießstandgegebenheiten oder rechtlichen Restriktionen nicht in das Training mit realen Schusswaffen integrieren lassen, können beispielsweise mit so genannten Airsoftwaffen nachgestellt werden. Diese Trainingsmethode wird auch als Force-on-Force (F-o-F) bezeichnet. Im Force-on-Force Training kann unter anderem auch die hohe Dynamik einer bewaffneten Konfrontation nachgestellt werden. Durch die Verwendung von Airsoftsystemen ist ein Treffer weder tödlich noch führt er zu ernsthaften Verletzungen. Dennoch ist er als deutlicher Schmerzimpuls wahrnehmbar. Lernen durch Schmerz ist bekanntlich eine sehr effektive Art des Lernens und in gewisser Weise auch Grundbaustein des F-o-F.


Die Wahl des Systems – 6-mm-BB
Es sind verschiedene Systeme am Markt verfügbar. Anschaffungskosten, Unterhaltskosten, notwendige Schutzausrüstung, die Verfügbarkeit und die Realitätsnähe der Waffen sind nur einige Kriterien, die beim Kauf berücksichtigt werden sollten. Für den Zweck des Force-on-Force Trainings hat sich das gasbetriebene 6-mm-BB-System durchgesetzt (auch als GBB: Gas Blowback bezeichnet). Die Anschaffungskosten sind gering. Für einhundert Euro ist bereits eine qualitativ hochwertige Pistole zu haben. Die Unterhaltskosten sind aufgrund der preiswerten 6-mm-Plastikkügelchen kaum erwähnenswert. Gleiches gilt für das notwendige Airsoftgas. Durch die Verwendung von Plastikkugeln anstatt Farbkugeln entfällt außerdem das Putzen der Trainingsräumlichkeiten.
Bei allen anderen Systemen – Paintball, Real Action Marker (RAM) und Simunition überwiegen, gemessen an diesen Kriterien, die Nachteile.




Die Wahl der Waffe
Die Wahl der Waffe ist von großer Bedeutung. F-o-F sollte sich als Baustein in ein ganzheitliches System einfügen. Das heißt, der Waffenträger muss exakt dieselbe Ausrüstung verwenden können, die er auch beim Training des scharfen Schusses nutzt. Die Airsoftwaffe muss in das Holster passen, welches sonst auch verwendet wird und die Magazine sollten in den Reservemagazintaschen getragen werden können. Die Hersteller haben diesbezüglich in den letzten Jahren sehr viel Entwicklungsarbeit geleistet. Manche Airsoft-Modelle sind von der Handhabung identisch mit den Originalwaffen, sie haben die gleiche Haptik und annährend das gleiche Gewicht.
Empfehlenswert sind hier die Modelle H&K USP .45 von KWA und S26 von KJ Works (entspricht einer SIG Sauer 226). Beide Modelle werden von UMAREX vertrieben.
http://www.umarex.de/uxc.php?load=list&lv0=3&lv1=4&deptid=13







Empfehlenswert ist auch die KWA G17 (entspricht einer Glock 17), welche in der Bundesrepublik aber bisher nicht angeboten wird.
Entscheidet man sich für den Kauf einer Airsoftwaffe im Ausland ist unbedingt darauf zu achten, dass die Waffe das „F im Fünfeck“ besitzt. Nur mit diesem Zeichen gilt sie in der Bundesrepublik als erlaubnisfreie Schusswaffe.







Schutzausrüstung

Beim Force-on-Force Training ist zwingend eine Vollschutzbrille erforderlich. Eine optische Brille allein reicht nicht aus. Um den schmerzempfindlichen Gesichtsbereich zuverlässig zu schützen, sollte die Anschaffung einer Schutzmaske in Erwägung gezogen werden.

Samstag, 18. September 2010

AR-15 Armorerkurs

In Zusammenarbeit mit der DAR GmbH veranstaltet Akademie 0/500 ab 2013 AR-15 Armorerkurse. Dabei werden grundlegende und weiterführende Fertigkeiten im Zerlegen und Zusammenbau des AR-15 und im Austausch von Teilen vermittelt. Es handelt sich hierbei bundesweit um einen der ersten offiziellen Waffenmeisterkurse für das AR-15 System überhaupt. Der Kurs ist offen für alle Privatwaffenbesitzer

Ort: Berlin-Köpenick
Datum: Samstag, 16. Februar 2013
Uhrzeit: 09.00 bis 17.00 Uhr
Kursgebühr: 220 €





Kursinhalt:

- Funktionsprinzip der Waffe
- feldmäßiges Zerlegen und Bezeichnung der Baugruppen
- weiterführendes Zerlegen des Lower Receiver mit Bezeichnung der Teile
- Austausch einzelner Baugruppen
- weiterführendes Zerlegen des Upper Receiver mit Bezeichnung der Teile
- Austausch einzelner Baugruppen
- Optionen der Visiereinrichtung

Weitere Info unter:
http://www.0-500.org/ar_15.html

Anmeldungen bitte über:
http://www.0-500.org/anmeldung.html

Mittwoch, 8. September 2010

Pistole (einhändig)

Einhändiges Schießen mit der Kurzwaffe wird manchmal sogar im dynamischen Schießsport gefordert. Eine reale und nicht zu unterschätzende Bedeutung kommt diesem Thema jedoch erst im Feuerkampf zu. Besonders dann, wenn die Waffe einhändig nachgeladen werden muss oder eine Störung hat.


Schießtraining kann manchmal sehr unrealistisch sein. Beispielsweise dann, wenn der Gebrauchswaffenträger grundsätzlich davon ausgeht, dass alle Gegner allein durch sein Erscheinen die Waffen strecken werden, dass alle bewaffneten Konfrontationen bei Tageslicht oder zumindest im Hellen stattfinden oder aber dass er selbst zu jeder Zeit zwei Hände zur Verfügung haben wird, um seine Kurzwaffe zu bedienen. Die Statistiken äußern sich jedoch ganz anders. Eine Vielzahl von Konfrontationen ereignet sich bei Dunkelheit. Je nach Region und Einsatzspektrum kann diese Zahl bis zu 80% betragen. Ebenso gering wie die Garantie auf gute Sichtverhältnisse ist eine Garantie auf die Unversehrtheit der Hände bzw. der Arme.

Handelt es sich um ein Feuergefecht, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit unter anderem auch Treffer an den Händen und Armen zu erwarten, da sich diese meistens in exponierter Stellung zentral vor dem Körper befinden. Sind Messer beteiligt, werden Schnittverletzungen nahezu unvermeidlich sein. Von anderen Verletzungen, welche im Einsatz eintreten können, wie beispielsweise Quetschungen oder Verbrennungen ganz zu schweigen. In jedem Fall kann es ein fataler Irrglaube sein, davon auszugehen, man habe immer und zu jeder Zeit zwei funktionierende Hände für Waffenmanipulationen zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll Handlungsroutinen zum einhändigen Bedienen von Kurzwaffen zu kennen und diese im Training einige Male geübt zu haben. Drei Situationen können dabei eintreten: Die rechte Hand ist verletzt, bevor die Pistole überhaupt aus dem Holster gezogen wurde, die Pistole ist leergeschossen oder sie hat eine Störung der Typen 1 bis 4.


Ziehen der Waffe mit links
Das Ziehen der Waffe mit links kann sich je nach Holstermodell schwierig darstellen. Insbesondere Anwender von Holstern mit mechanischen Sicherungen sollten im Training sehr genau darauf achten, wie bzw. ob überhaupt die Sicherung des Holsters nach einem Totalausfall der rechten Hand mit links zu betätigen ist.
Werden Oberschenkelholster verwendet, kann der Schütze zuerst mit der linken Hand den Beingurt ergreifen, um das Holster etwas nach vorn zuziehen. Der Ziehvorgang wird somit erheblich vereinfacht.
Beim Ziehen mit links kann in den meisten Fällen keine korrekte Grifftechnik hergestellt werden. Der Schütze muss zum Umgreifen eine zusätzliche Bewegung vollziehen. Es hat sich bewährt, die Pistole dabei zwischen die Knie zu pressen und umzugreifen.
Befindet sich das Holster am Gürtel auf 5-Uhr-Postion, ist es unter Umständen besser, die linke Hand hinter dem Körper zum Holster zu führen. Anatomie und Flexibilität des eigenen Körpers setzen hier die Grenzen.




Nachladen einhändig
Auch beim einhändigen Nachladen muss die Waffe während des Nachladeprozesses zwangsläufig irgendwo zwischengeparkt werden. Auch hier empfiehlt sich, die Pistole zwischen die Knie zu pressen. Der Magazinschacht zeigt dabei nach vorn, der Lauf nach unten. Das neue Magazin kann jetzt mit der linken Hand problemlos zugeführt werden. Die Durchladebewegung erfolgt indem die Kimme der Waffe gegen ein Bekleidungs- oder Ausrüstungsteil (Gürtel, Schuhsohle oder Magazintasche) gedrückt wird, welches ein entsprechend hohes Widerlager bietet. Mit einer kraftvollen, ruckartigen Bewegung schiebt die Hand das Griffstück nach vorn.
Diese Technik funktioniert sowohl mit rechts als auch mit links. Im Training sollte sie daher bevorzugt geübt werden.








Störungstyp 1
Bei Störungen des Typs 1 ertönt das lauteste Geräusch das es gibt, wenn man eigentlich ein „Bumm“ erwartet; nämlich ein „Klick“. Von außen ist keine Störung erkennbar. Mit einem Schlag auf das Magazin und Durchladen der Waffe („Tap-Rack“) ist dieser Störungstyp schnell zu beseitigen. Beim einhändigen Bedienen heißt das, der Schütze schlägt die Waffe mit dem Magazinboden auf sein Knie, um sicherzustellen, das Magazin ist eingerastet. Anschließend lädt er seine Waffe am Gürtel oder einem anderen festen Widerlager durch. Dieser Ablauf funktioniert sowohl rechts- als auch linkshändig und ist analog zum Nachladevorgang.
Störungstyp 2 wird auf die gleiche Art und Weise beseitigt.






Störungstyp 3
Störungen vom Typ 3 sind von außen erkennbar. Der Schlitten der Pistole verriegelt nicht, weil sich zwei Patronen gleichzeitig im System befinden. Für gewöhnlich sind die Ursachen entweder eine defekte Ausziehkralle, abgenutzte Magazinlippen oder eine fehlerhafte Beseitigung der Störungstypen 1 und 2. Bei Pistolen ist dieser Störungstyp eher selten.
Ein charakteristisches Merkmal beim Störungstyp 3 ist, dass der Schlitten Druck auf die obere im Magazin befindliche Patrone ausübt, diese aber nicht zugeführt werden kann, weil das Patronenlager noch belegt ist. Das Magazin wird sich daher nur mit erhöhtem Kraftaufwand aus der Pistole entfernen lassen. Dass es beim Betätigen des Magazinauslöseknopfes von selbst durch die Schwerkraft aus der Waffe rutscht, ist ausgeschlossen. Da nur eine Hand zur Verfügung steht, muss ein geeignetes Hilfsmittel gefunden werden. Möglich wäre, den Magazinboden am Gürtel einzuhaken und so das Magazin aus der Waffe zu ziehen. Diese Technik funktioniert jedoch nur, wenn zwischen Magazin und Rahmen der Pistole ausreichend Platz vorhanden ist. Bei den meisten Pistolen wird das nicht der Fall sein.


Ausrüstungsmodifikationen
Eine einhändige Waffenmanipulation erfordert mitunter Modifikationen an der Ausrüstung.
Manche Schützen gehen dazu über, die Rahmenhöhe ihre Glockpistolen durch abschleifen zu kürzen. Dadurch entsteht eine Lücke zwischen Rahmen und Magazinboden. Das Magazin lässt sich somit leichter am Gürtel einhaken und herausreißen. Andere wiederum verwenden beispielsweise in einer Glock 19 permanent die längeren Glock 17 Magazine. Auch hier ist genug Abstand zwischen Rahmen und Magazinboden vorhanden. Eine weitere Möglichkeit, die keine bauliche Modifikation an der Waffe erfordert, ist die Verwendung eines nach vorn überstehenden Magazinbodens.
Soll die Kimme der Pistole als Widerlager zum Durchladen genutzt werden, muss sie dementsprechend geformt und vor allem stabil genug sein. Ein filigranes Mikrometervisier wird die unsanfte Prozedur nicht oft überstehen. Des Weiteren sollte man als Gebrauchswaffenträger grundsätzlich auch einen strapazierfähigen, robusten Gürtel tragen, der nicht nur das Holster für die Waffe und Reservemagazine sowie eventuell ein Funkgerät hält, sondern auch als korrespondierendes Widerlager zum einhändigen Repetieren der Pistole dienen kann.




Fazit
Einhändiges Bedienen der Selbstladepistole sollte genau wie einhändiges Schießen Bestandteil des Trainingsprogramms für Gebrauchswaffenträger sein. Einige Handlungsroutinen einstudiert zu haben, kann im Ernstfall von entscheidender Bedeutung sein. Besonderes Augenmerk sollte dabei den Schwachpunkten der Ausrüstung gelten. Holster mit Verrieglungssystemen können zu ungeahnten Erschwernissen beitragen, wenn nie geübt wurde, die Entriegelung nur mit der Unterstützungshand zu bedienen.
Im Kurs Pistole 4 der Akademie 0/500 wird das einhändige Bedienen einer Pistole vertiefend geübt.
http://www.0-500.org/pistole_4.html

Siehe auch: Nachtrag zum einhändigen Bedienen einer Pistole

Dienstag, 31. August 2010

Standardübungen

Standardübungen sind aufgrund ihres definierten Ablaufs eine gute Messgröße zur Beurteilung von Schießfertigkeiten. Bei diesen Übungen ist immer eine Mindesttrefferzahl vorgegeben, in den meisten Fällen sind sie auch mit einer Zeitbegrenzung hinterlegt. Einige Übungen und was beim Üben beachtet werden sollte, beschreibt dieser Beitrag.


Dot Drill
Der Dot Drill ist das Maß aller Dinge in Bezug auf die Grundfertigkeiten des Schießens. Das Zielmedium ist ein Blatt Papier im A4-Format mit zwölf Punkten von etwa einem Zoll Durchmesser.
Der Schütze steht in einer Entfernung von drei Metern und beschießt die Punkte von links oben beginnend Zeile für Zeile mit jeweils drei Schuss. Für diese Übung gibt es kein Zeitlimit. Ziel sollte sein, alle zwölf Punkte ohne Fehlschuss zu beschießen.
Fehler bei der Umsetzung von Grundfertigkeiten (Visierbild, Haltepunkt, Abzugskontrolle und Nachzielen) werden durch diese Übung schonungslos offenbart. Insbesondere Schützen, die in dynamischen Schießsportdisziplinen antreten möchten oder Gebrauchswaffenträger, die sich aufbauend im taktischen Schusswaffengebrauch weiterbilden wollen, müssen den Dot Drill zu jeder Zeit – so zu sagen aus dem Stand heraus – fehlerfrei schießen können.
Der Dot Drill bietet sich als Einstiegsübung für jede Trainingssitzung an.





The Test (Der Test)
Die Entwicklung dieser Standardübung wird dem US-amerikanischen Schießausbilder Ken Hackathorn zugeschrieben. Als Zielmedium dient eine 10er-Ringscheibe.
Der Schütze steht in einer Entfernung von zehn Yards und schießt innerhalb von zehn Sekunden zehn Schuss auf die Scheibe. Die Treffer sollten dabei alle im schwarzen Bereich der Scheibe liegen bzw. eine Gruppe von nicht mehr als Handtellergröße darstellen.
Ausgangsposition für diese Übung ist eine Bereitschaftsposition eigener Wahl mit geladener Waffe.
Der Schütze sollte einen Schießrhythmus von etwa einem Schuss pro Sekunde anwenden. Der erste Schuss sollte nach 1,5 bis 2 Sekunden brechen.
Neben den Grundfertigkeiten erfordert diese Übung des Weiteren eine saubere Umsetzung von schießtechnischen Elementen, wie z.B. einer stabilen Grifftechnik oder des Natürlichen Zielpunkts.
Ein häufig zu beobachtender Fehler sind schnelle Schussfolgen. Oftmals verfallen Schützen in ein zu schnelles und daher unkontrolliertes Schießen, anstatt die Vorgabezeit von zehn Sekunden voll auszunutzen.


3 / 3 / 3 / 3
Drei Schuss aus drei Metern in drei Sekunden. Das ganze dreimal hintereinander. Als zusätzliches Element wird bei dieser Standardübung der Ziehvorgang mit eingebunden. Das Ziel sollte nicht größer sein als drei mal drei Zoll. Ein A4-Blatt mit drei vertikalen Balken bietet sich für diese Übung an.
Die Übung gilt dann als erfüllt, wenn in jedem der drei Durchgänge die erforderlichen Treffer innerhalb der Zeitbegrenzung erbracht werden konnten.




Paul Howe (CSAT) Standards
Das Ausbildungsprogramm von Paul Howe bietet ebenfalls einige interessante Übungen, die als Standardübungen herangezogen werden können.
http://feuerkampf-und-taktik.blogspot.com/2010/08/csat-tactical-pistol-instructor.html


Fazit
In jedem Fall sollten sich Standardübungen an folgenden Anforderungen messen lassen:
Sie sollten im Aufbau einfach und überall durchführbar sein. Die Zielmedien sollten einfach darstellbar sein. A4-formatige Scheiben bieten sich an, da diese mit wenig Aufwand erstellt, lies: kopiert werden können. Der Zeitansatz als auch der Munitionsverbrauch sollten gering gehalten werden. Das erreichte Ergebnis der Übung sollte messbar und somit vergleichbar sein. Eine zu hohe Komplexität in den Übungen beansprucht nicht nur kostbare Trainingszeit, sondern kann auch den Trainingserfolg schmälern.

Sonntag, 22. August 2010

Abzugskontrolle

Die meisten Fehlschüsse haben ihre Ursache in einer ungenügenden Abzugskontrolle. Das Abkrümmen wird somit zu einem sehr wichtigen Element der Schussabgabe. Der folgende Beitrag beschreibt Trainingsmethoden, welche bei regelmäßiger Anwendung die Abzugskontrolle nachhaltig verbessern werden.


Trockentraining
Trockentraining sollte fester Bestandteil im Ausbildungskonzept sein. Trockentraining zur Verbesserung der Abzugskontrolle beschränkt sich dabei auf das Abkrümmen ohne Schussabgabe. Der Schütze stellt zu Übungsbeginn Sicherheit an der Schusswaffe her und überzeugt sich noch ein weiteres Mal, dass sich weder ein Magazin in der Waffe noch eine Patrone im Patronenlager befindet.
Zum Üben geht der Schütze in Anschlag, stellt sein Visierbild her, findet einen Haltepunkt und betätigt den Abzug. Wichtig ist: Das Visierbild darf beim Abkrümmen nicht gestört werden. Wackelt das Visierbild oder geht gar der Haltpunkt verloren, liegt eine schlechte Abzugskontrolle vor und der Schuss wäre „verrissen“ gewesen.
Der Bestand des Visierbildes ist wichtigstes Kontrollelement beim Trockenüben.
Bei dieser Übung kann zusätzlich eine leere Patronenhülse auf den Schlitten bzw. auf das Korn der Pistole gestellt werden. Die Hülse darf während des Trockenabkrümmens nicht herunterfallen.
Anwender von Double-Action Waffen sollten mit dieser Methode vorrangig auch das Betätigen des (schweren) Double-Action Abzugs trainieren.



Ball & Dummy Drill
Der Ball & Dummy Drill wird im scharfen Schuss ausgeführt. Ein Trainingspartner präpariert die Waffe so, dass der Schütze nicht weiß, ob sie geladen ist oder nicht. Der Partner übergibt die Waffe mit unbekanntem Ladezustand an den Schützen. Dieser versucht in Nahdistanz ein entsprechend kleines Ziel zu treffen. Üblicherweise wird diese Übung auf eine Entfernung von drei bis vier Metern geschossen. Als Ziel dienen Punkte mit einem Durchmesser von ein bis zwei Zoll.
Bricht ein Schuss, sollte der Treffer im Punkt liegen. Bricht kein Schuss, sollte sich die Waffe beim Abkrümmen nicht bewegt haben. Das zu beobachten ist Aufgabe des Trainingspartners. Hat der Schütze beim Abkrümmen „gemuckt“ (lies: Den Punkt nicht getroffen oder ein Zucken der Waffe beim Trockenabkrümmen), entlädt der Schütze seine Pistole und vollzieht unmittelbar nach dem Fehlschuss fünf Mal ein ruckfreies Trockenabkrümmen. Dieses Prozedere wiederholt der Schütze nach jedem Fehlschuss. Er bestraft sich so zu sagen für jeden Fehlschuss selbst und versucht seinem Zeigefinger einen korrekten Bewegungsablauf anzukonditionieren. Um sowohl Spaß als auch Trainingseffekt zu steigern, kann diese Handlungsroutine auf den jeweiligen Trainingspartner mit ausgedehnt werden. Das heißt, produziert Partner 1 einen Fehlschuss oder ein Mucken, entladen Partner 1 und 2 ihre Waffen und vollziehen jeweils fünf saubere Trockenabschläge.

Ball & Dummy Drill mit Zeitlimit
Der Schwierigkeitsgrad dieser Übung lässt sich durch das Einbinden der Messgröße Zeit steigern. Bisher war es einzig dem Schützen überlassen, wann er den Abzug betätigen wollte. Bei dieser Übungsergänzung wird der Druck etwas erhöht, indem der Abzug innerhalb einer Vorgabezeit betätigt werden muss. Nach wie vor wird die Waffe durch den Trainingspartner präpariert und der Schütze hat keine Gewissheit über den Ladezustand. Der Schütze geht in Anschlag und wartet auf das Feuerkommando, welches ihm mittels Timer gegeben wird. Der Timer wurde mit einer Splitzeit von komfortablen zwei Sekunden programmiert. Innerhalb dieses Zeitfensters muss der Abzug betätigt werden. Auch hier sollte der Treffer wieder im Punkt sein bzw. die Waffe beim Abschlagen nicht mucken. Tut sie das doch, entladen beide Partner ihre Waffe und vollziehen wieder fünf Trockenabschläge ohne Zeitlimit.

Ball & Dummy auf Kommando
Eine weitere Steigerung erfährt der Ball & Dummy Drill durch das „Schießen auf Kommando“. Jetzt steht kein Zeitfenster mehr zur Verfügung, sondern das Abkrümmen hat unmittelbar beim Ertönen des Timersignals zu erfolgen.


Fazit
Selbst erfahrene Schützen werden bei diesen Übungen Defizite in Bezug auf ihre Abzugskontrolle feststellen. Wichtiges Element ist die „unmittelbare Selbstbestrafung“ durch fünf Mal trocken Abkrümmen. Diese Sequenz ist ohne Zeitdruck und mit größter Sorgfalt auszuführen. Sie dient der positiven Konditionierung des Abzugsfingers nachdem ein falscher Bewegungsablauf erkannt wurde.
Das aus dem Schießsport bekannte „Leerabschlagen“ ist grundsätzlich zu unterlassen. Oftmals wird es als eine mehr oder weniger unbewusste Handlung nach der letzten Schießübung vollzogen. Streng genommen führt es aber zu einer Fehlkonditionierung des Abzugsfingers, bei der die oben genannten Elemente des Trockentrainings (Anschlag, Visierbild, Haltepunkt und konzentriertes Abkrümmen) vernachlässigt werden. Darüber hinaus ist das „Leerabschlagen“ die letzte Trainingseinheit des Tages. Sie hat somit erheblichen Einfluss auf die Konditionierung des Abzugsfingers.

Freitag, 13. August 2010

"Sul" vs. "Norte"

Im taktischen Einsatz einer Schusswaffe muss die Bereitschaftshaltung anderen Anforderungen genügen als im reinen Sportschießen. Die Praxis brachte hierzu in der Vergangenheit verschiedene Lösungsansätze hervor. Dieser Beitrag befasst sich mit den Positionen „Sul“ und „Norte“.


Der taktische Schusswaffengebrauch unterliegt wie auch Taktik selbst einem ständigen Prozess der Weiterentwicklung. In welcher Position eine Waffe gehalten werden sollte, wenn gerade nicht mit ihr geschossen wird, ist eine kontrovers diskutierte Frage und ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept einer auf taktische Belange ausgerichteten Schießausbildung. Die Art und Weise der Bereitschaftshaltung wird im taktischen Schusswaffengebrauch durch mehrere meist unbekannte Faktoren determiniert. Ein Kompromiss ist daher meist unumgänglich. Zieht man in Betracht, dass eine „sichere Richtung“ nicht existiert, sondern vielmehr eine reale 360°-Umgebung, wird Mündungsdisziplin zu einer Hauptforderung. Schließlich soll eine Gefährdung eigener Teammitglieder durch das so genannte „Sweeping“ ebenso vermieden werden, wie die Gefährdung von umherstehenden Unbeteiligten.

Position Sul
Position Sul wurde im Jahre 1997 vom amerikanischen Schießausbilder Max Joseph entwickelt. Joseph ging zu dieser Zeit einem Engagement als Ausbilder bei der brasilianischen Polizei nach. Daher auch der Name Sul, was im Portugiesischen „Süd“ bedeutet.
Der Schütze hält die Waffe eng am Oberkörper auf Höhe des Solarplexus mit der Mündung nach unten – südwärts – gerichtet. Die Mündung zeigt dabei auf den Boden etwa 30 Zentimeter vor dem Schützen, was per se als sicher für das Vorgehen im Rahmen einer Kleingruppe angesehen werden kann. Die linke Hand liegt flach auf dem Solarplexus bzw. Bauch. Der Schlitten der Pistole befindet sich auf den Knöcheln der linken Hand, welche gleichzeitig als Indexpunkte dienen. Der Finger ist lang und berührt den Abzug nicht. Wahlweise kann der Schütze seine beiden Daumen gegeneinander pressen. Bei einer etwas abgewandelten Ausführung von Sul befindet sich die linke Hand nicht hinter der Waffe, sondern liegt darüber.
„Sul“ ermöglicht sowohl ein schnelles Einnehmen des Anschlags als auch ein sicheres Holstern der Waffe. Sul bietet aber nur ungenügende Möglichkeiten für das Nachladen der Pistole.



Position Norte
Eine weitere Option wäre, die Mündung in die entgegengesetzte Richtung, nämlich nach oben zu halten. In Anlehnung an die portugiesische Bezeichnung Sul heißt diese Position auch Norte, also Nordwärts. Von Kritikern wird sie mitunter ins lächerliche gezogen und als „Sabrina-High-Ready“ bezeichnet. Die Schauspielerin Kate Jackson war mit der Serie „Drei Engel für Charlie“ öfters auf einem Kinoplakat mit Pistole in Position Norte abgebildet, was dieser Waffenhaltung eine unverhoffte und auch ungewollte Popularität einbrachte.

Um die Position „Nordwärts“ einzunehmen, wird die Kurzwaffe aus dem Anschlag heraus zurückgebracht und die Mündung nach oben gerichtet. Der beidhändige Waffengriff bleibt dabei bestehen. Der Abzugsfinger sollte lang an der Waffe anliegen. Die Pistole befindet sich jetzt auf Kopfhöhe jeweils rechts bzw. links neben dem Kopf. Das Sichtfeld wird somit nicht eingeschränkt. Eine Variante kann das einhändige Ausführen von Norte sein. Aus der reinen Bereitschaftsposition wird somit eine Nachladeposition. Die Waffe wandert dabei unmittelbar ins Sichtfeld des Schützen, was ihm weiterhin eine Vorfeldbeobachtung erlaubt. Der US-amerikanische Schießtrainer Ken Hackthorn war es, der als erster ausbildete dabei durch den Abzugsbügel zu sehen.



Der größte Vorteil von "Nordwärts" ist das Herstellen einer 360°-Sicherheit. Weitere Vorteile sind beispielsweise, dass die Waffe in dieser Position nachgeladen werden könnte, sie dient außerdem in gewisser Weise als Kopfschutz und die Waffe befindet sich in einer günstigen Position, um sie zum Schlagen nutzen zu können, sollte das die Situation erforderlich machen. Im Gegensatz zu Sul muss die Griffhaltung an der Waffe nicht aufgegeben werden. Ein wesentlicher Punkt, der ebenfalls noch für die Anwendung von „Nordwärts“ spricht, ist die Körpersprache. Dadurch, die Waffe auf Augenhöhe zu halten, wird vermieden eine gebückte und gekrümmte Körperhaltung einzunehmen. Das ist leider viel zu oft bei Schützen zu beobachten, die Nachladetätigkeiten unmittelbar vor dem Oberkörper ausführen oder gar in einer Haltung, wo beide Arme 45° nach vorn unten ausgestreckt werden. Eine gekrümmte Körperhaltung signalisiert dem Gegner Angst, Wahrnehmungsentkopplung und Hilflosigkeit. Wohingegen eine aufrechte Körperhaltung hohe Wahrnehmungsfähigkeit und Bereitschaft zum Kampf ausdrückt.
Napoleon soll sinngemäß gesagt haben: Es ist besser und manchmal einfacher, den Feind mental zu schwächen, als körperlich.



Beim Herstellen der Position „Nordwärts“ ist unbedingt darauf zu achten, dass sich die Waffe neben dem Kopf befindet und nicht unterhalb des Kinns. Überstreicht die Mündung Teile des Kopfs, kann das fatale Folgen bei einer unbeabsichtigten Schussabgabe haben.

„Nordwärts“ wohnt im Grunde nur ein Nachteil inne: Soll die Waffe aus dieser Position heraus direkt geholstert werden, muss der Schütze hohe Mündungsdisziplin walten lassen. Anatomisch bedingt neigt ein Rechtsschütze dazu, mit der Waffe den Bereich zu seiner Linken zu überstreichen und somit unter Umständen Teammitglieder oder Unbeteiligte zu gefährden. Hier einen korrekten Bewegungsablauf ins Training zu integrieren und regelmäßig zu üben erhöht die Stresssicherheit.


Sul und Norte mit Langwaffen

Spricht man über Techniken des taktischen Schusswaffengebrauchs, reicht es nicht aus, diese Techniken isoliert zu betrachten. Vielmehr muss man sie als Baustein eines ganzheitlichen Konzeptes sehen. Das beinhaltet in diesem Fall auch eine Analyse, wie sich Position Norte oder Sul in die Handhabung einer Langwaffe, lies: Sturmgewehr, einbinden lassen. „Nordwärts“ stellt sich diesbezüglich unkompliziert dar. In vielen Konzepten ist ohnehin ein Hochanschlag mit der Langwaffe vorgesehen. Diese Waffenhaltung kommt der Pistolenbereitschaftshaltung „Nordwärts“ sehr nahe und kann im Grunde als ihr Langwaffenäquivalent angesehen werden. Auch beim Hochanschlag mit dem Sturmgewehr macht sich der Anwender die Vorteile von Norte zu Nutze: Es existiert 360°-Sicherheit ohne nennenswerte Einschränkung des Sichtfeldes, Nachladetätigkeiten werden ergonomisch unterstützt und der Schütze verfügt dennoch über eine ausreichende Bewegungsfreiheit.



Wird Sul beim Einsatz von Gewehr und Flinte zur Anwendung gebracht, darf diese Waffenhaltung jedoch nicht mit dem Low-Ready Anschlag verwechselt werden. Bei Low-Ready verbleibt die Langwaffe mit dem Schaft in der Schulter. Lediglich die Mündung wird abgesenkt. Bei Sul mit einer Langwaffe befindet sich das Gewehr direkt auf der Körpermittellinie. Die Mündung zeigt wiederum in „Richtung Süden“, auf den Grund, einige Zentimeter vor dem Schützen. Mit „Langwaffen-Sul“ soll keine andere Bereitschaftshaltung ersetzt werden, sie sollte lediglich als Option zu anderen Waffenhaltungen wie High-Ready oder Low-Ready angewandt werden.